Bild: oeticket / Joachim Schmida
Die Spanische Hofreitschule in Wien ist eine der ältesten und renommiertesten klassischen Reitschulen der Welt. Wir erkundeten den höfischen Prunkbau, in dem sie untergebracht ist, in all seinen unerwarteten Dimensionen und erfuhren mehr über die Dachkonstruktion aus 2.000 hölzernen Gliedern - inklusive eines fantastischen Ausblicks von oben auf die Wiener Innenstadt - aber alles der Reihe nach.
Dank der Habsburger existiert die Spanische Hofreitschule seit 460 Jahren. Ursprünglich gegründet, um junge Pferde für das Kriegswesen auszubilden, entwickelte sie sich im Laufe der Zeit zu einer Schule für klassische Reitkunst. Heute ist es das Ziel der Hofreitschule, diese Tradition zu bewahren und zu praktizieren. Seit 2008 sind übrigens auch Reiterinnen zugelassen.
Die Spanische Hofreitschule ist die älteste Reitakademie der Welt, jedoch nicht die einzige. Ähnliche Schulen gibt es in Frankreich, Portugal und Spanien, die ebenfalls alte Traditionen pflegen.
Unsere Führung mit Kunstvermittlerin Magdalena Gries begann im Innenhof der wunderschönen Wiener Hofburg beim sogenanntan Pferde-Fitnesscenter, wo die Pferde in modernen Bewegungssystemen trainiert werden. Die Pferde sind nicht angebunden und laufen zwischen Gummimatten, die ihnen Bewegung und Richtung vorgeben. Dies ist besonders wichtig, da es in Wien natürlich nur bedingt Platz gibt. Die Spanische Hofreitschule hat nur Hengste im Stall, die jeweils ihren eigenen Bereich benötigen, um Rivalitäten und Verletzungen zu vermeiden. Alle Pferde, die aktuell in Wien sind (19 Stück), werden von 6:30 Uhr bis 10 Uhr bewegt - inklusive dem Reittraining. Die Reiter:innen haben eine 6-Tage-Woche und sind mit denselben fünf bis neun Pferden vertraut.
Ein Großteil der Pferde der Hofreitschule verbringt den Sommer im Trainingszentrum am Heldenberg, wo sie mehr Freiraum haben und durch die Weinberge und Wälder reiten können. Auch Reiter haben die Möglichkeit, ihre fünf Wochen Sommerurlaub flexibel zu nehmen, während die Pferde weiterhin trainiert werden.
"Dort kann man frei reiten, kurzärmlich reiten und einfach die wunderschöne Gegend genießen. Also durch die Weinberge reiten oder in den Wald reiten gehen. Das ist für Pferde und Reiter einfach ganz angenehm." Die Lipizzanergala findet immer Ende Juni Open Air am Heldenberg im Weinviertel mit über 1000 Zuschauer:innen statt und leitet den "Sommerurlaub" der Lipizzaner ein.
Ein Highlight der Führung war die historische Reithalle, ein barockes Juwel aus dem 18. Jahrhundert, das innerhalb von sechs Jahren erbaut wurde. Die Halle wurde nicht nur für Reitkunst, sondern auch für Bälle, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt. Heute finden hier auch Modenschauen, Konferenzen und sogar Hochzeiten statt. Im Jahr 1914 wurde die erste Eintrittskarte für die Spanische Hofreitschule herausgegeben, wodurch der Zugang, der zuvor der kaiserlichen Familie und dem hochrangigen Personal vorbehalten war, nun auch der Öffentlichkeit ermöglicht wurde.
Ein weiterer Höhepunkt war der Aufstieg in das dreigeschossige Dachwerk der Reithalle. Dieses beeindruckende Konstrukt aus 2.000 hölzernen Gliedern bietet eine fantastische Aussicht auf die Wiener Innenstadt. Der Aufstieg über 170 Stufen lohnt sich definitiv.
Die Führung endete mit einem Blick auf die Stallungen und die Möglichkeit, die Pferde hautnah zu erleben. Die Hengste, die im Alter von neun bis zwölf Jahren ihre Vorführungskarriere beginnen, gehen im Alter von 24 Jahren in Pension. Die älteren Pferde verbringen ihren Lebensabend in der Steiermark oder in Niederösterreich.
Die Spanische Hofreitschule bietet eine faszinierende Kombination aus historischer Architektur und jahrhundertealter Reitkunst.
Tickets für die Vorführungen der Spanischen Hofreitschule 2024, die Morgenarbeit mit Musik und die Lipizzanergala am Heldenberg sind bei oeticket erhältlich.