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Kabarett & Comedy

Gunkl & Gerhard Walter: Herz & Hirn

07.09.2022 von Sebastian Fasthuber

In der Welt gibt es Sachen, verraten uns Gunkl und Gerhard Walter. Jo eh, möchte man dann sagen. „Es passiert immer etwas”, heißt es dann weiter. Und wieder dieses: „Jo eh.” Aber wieso passiert etwas? „Weil zwischen diesen Sachen etwas ist”, sagen sie. Und dieses „Dazwischen”, das schauen sich die beiden Kabarettisten Gerhard Walter und Gunkl spitzfindig an – nähern sich diesem diffusem Zwischenraum aus der Herz- und der Hirnperspektive.

Ist „Herz & Hirn“ für Sie Urlaub vom Alltag als Solokabarettisten?

Gunkl: Urlaub ist das, wo man nichts tut, insofern stimmt es nicht ganz. Wir nehmen das, was wir auf der Bühne machen, schon sehr ernst. Aber es ist was Anderes als unsere Solosachen.

Inwiefern?

Gunkl: Es sind mehr Leute auf der Bühne. Und es ist auch nicht so stramm durchformuliert wie bei mir. Wir geben uns Freiraum für das, was uns gerade einfällt.
Gerhard Walter: Auch das Publikum darf Fragen stellen und Input geben.
Gunkl: Wenn es will. Alles kann, nichts muss.
Walter: Die Teilnahme bleibt verbal. Es wird niemand zerschnitten auf der Bühne.

Man wäre als Mensch oft gern anders und beneidet sein Gegenüber um bestimmte Eigenschaften. Wie ist das bei Ihnen?

Walter: Ich beneide Gunkl um die Eigenschaft, dass gewisse Dinge an ihm nicht einmal abprallen, weil sie ihm so egal sind. Ansonsten würde ich nicht mit ihm tauschen wollen, ich komme schon auch ganz gut durchs Leben.
Gunkl: Meine emotionalen Ausreißer finden innerhalb der Strichstärke der Nulllinie statt. Ich möchte auch nicht anders sein.
Walter: Das heißt nicht, dass ich hysterisch durch den Bezirk laufe und Gehsteige ablecke.
Gunkl: Dass wir nicht der Andere sein wollen, ist ein Zeichen der Wertschätzung. Wären wir der Andere, gäbe es den gerade nicht. Das Schöne ist ja, dass man jemand als Freund nehmen kann, wie er ist, und sich daran erfreut.

Die Basis Ihrer Zusammenarbeit ist Freundschaft. Wie wurde daraus „Herz & Hirn“?

Gunkl: Es gab ein Benefiz, wo wir beide eingeladen waren und ein kleines gemeinsames Fenster hatten. Bei einem anderen Anlass hätten wir hintereinander auftreten sollen. Da sind wir lieber gleich zu zweit raus und haben geplaudert. Irgendwann hatten wir eine Abendfüllung parat, die wir unter Leute bringen wollten.
Walter: Nicht mit der Idee: Wir machen eine Premiere. Sondern: Wenn wir eh schon spielen, können wir auch Plakate machen. Eine Umkehr des herkömmlichen Ablaufs.
Gunkl: Mittlerweile haben wir aber ein bisschen Struktur reinbekommen und schreiben zuerst ein Programm, danach machen wir die Plakate.

Und die Freundschaft hat unter der Arbeit nicht gelitten?

Gunkl: Überhaupt nicht. Goscherterweise würde ich sagen: Wenn wir drei Stunden gemeinsam mit dem Auto nach Salzburg fahren und das aufnehmen würden, könnten wir das als Video einspielen. Es würde wahrscheinlich als Programm funktionieren. Zumindest als Manifestation einer Freundschaft.
Walter: Das Schöne bei uns ist, dass keiner auf der Bühne gewinnen will. Es geht nicht darum, wer welchen Witz macht und mehr Lacher bekommt. Wir machen einen gemeinsamen Abend. Das ist sehr entspannt.
Gunkl: Wenn du auf eine Bühne gehst, musst du schauen, dass das Publikum einen schönen Abend hat. Nicht, dass du gut ausschaust und mehr Wuchteln hast.

Inwiefern lebt das Programm von Ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten?

Gunkl: Schon sehr. Bei einem Stausee, wo auf beiden Seiten der Mauer das Wasser gleich hoch steht, kann man keinen Strom ziehen. Es geht nicht um einen Ausgleich. Man kann die Welt ganz unterschiedlich sehen und sich trotzdem miteinander verständigen.
Walter: Außerdem bin ich ja nicht nur Hirz.
Gunkl: Schöner Versprecher. Und ich bin nicht nur Hern.
Walter: Was ich sagen wollte: Wir sind nicht Rechenschieber und Wattebausch. Der Gunkl ist kein herzloses Wesen, das in der Garderobe Welpen schlachtet.

Wie viel ist geschriebener Text, wie viel improvisieren Sie?

Walter: Wir hatten immer einen Text. Irgendwie hat es sich ergeben, dass wir uns nie dran gehalten haben. In einer Vorstellung habe ich zu Gunkl in der Pause gesagt: Hast du Lust, im zweiten Teil des Abends den ersten zu spielen? Im ersten haben wir außer „Guten Abend“ nichts gesagt, was am Blatt steht.
Gunkl: Seriöserweise haben wir etwas im Talon. Aber es variiert sehr. Wer ein halbes Jahr später kommt, sieht einen komplett anderen Abend. Nur kann kein Veranstalter aufs Plakat schreiben: „Ist aber ganz was Anderes, wenn man zum zweiten Mal hinkommt.“ Also muss man ab und zu sagen, man macht ein neues Programm.

Wir leben in schwierigen Zeiten. Kommt das in „Herz & Hirn 3“ vor?

Walter: Gute Frage. Es ist durch die Pandemie, den Ukraine-Krieg und andere Entwicklungen natürlich ganz anders als vor fünf Jahren. Wir werden wohl darauf eingehen, aber eher von außen betrachtet, allgemeiner. Sicher nicht in tagespolitischer Form. Wir werfen eher einen Blick aufs Phänomen als auf einzelne Personen.

Wie steht es um unsere Gesprächskultur? Stichwort: Cancel Culture.

Gunkl: Ich denke, man kann dem dadurch begegnen, dass man als alter weißer Mann Dinge sagt, die auch junge Frauen zumindest considern können. Es wäre blöd, wenn die Wokeness dahin geht, dass man Zensuren per Gruppenzugehörigkeit einführt. Ich bin 60, schwach pigmentiert und habe ein Zumpferl – aber dafür kann ich nichts. Ich fühle mich keiner Gruppe zugehörig.
Walter: Man will niemand verletzen mit dem, was man sagt. Aber manchmal sagt man etwas, und dann ist vielleicht jemand verletzt. Mittlerweile gibt es sehr viele Gruppen, die sich diffus verletzt fühlen. Ich glaube, es ist ein bissl ins Hysterische gekippt. Was schade ist. Denn es gibt viele Dinge, die zu kritisieren und diskutieren sind. Aber nicht auf hysterische Art.


Termine


Gunkl & Gerhard Walter - Herz & Hirn 3


ab Anfang September in Wien (Stadtsaal, Kabarett Niedermair, Kulisse, Orpheum), Linz (Posthof), Tulln (Danubium) und Baden (Congress Center)

Termine und Venues auf dem Stand vom 07.09.2022  

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