Bild: Robert Peres
Günther „Gunkl“ Paal ist eine Konstante des heimischen Kabaretts und mit seinem fast schon wissenschaftlichen Ansatz gleichzeitig ein Humor-Solitär. Anlässlich der nahenden Premiere seines neuen Programms „Nicht nur, sondern nur auch – Ein ziemlich ungeordneter Versuch, über Ordnung zu reden“ spricht Gunkl über Werkzeug, Physik, die Freude am Erschaffen und am Nichtstun, seine Jahre als Kellner und seine Urlaube entlang der deutschen Autobahn.
Es geht nicht nur um Ordnung. Aber schon auch. Ordnung ist ein schillerndes, mehrschichtiges Phänomen. Man hätte sie gern. Vorausgesetzt, man hat was davon. Sie entsteht aber, was unsympathisch ist, durch Trennung. Ein Problem ist, dass die Ordnung, die angestrebt wird, eine Hierarchie ergibt. Was sehr deppert ist. Man kann Dinge sehr sinnvoll voneinander trennen, ohne dass eines wichtiger oder wertvoller ist als das andere.
Wer eine Werkstatt hat, ordnet sein Werkzeug nach bestimmten Kriterien. In der Regel nicht nach Gewicht, sondern nach Funktion. Je nachdem, was ich brauche, greife ich in die Schachtel, wo das drinnen ist. Ohne zu sagen: Alles hat sich dem Hobel unterzuordnen. Wenn wir das auf Menschen umlegen und sagen, wir sind alle verschieden, ist oft gleich eine Wertung damit verbunden. Nach dem Motto: Der Eine ist besser als der Andere.
Nein, sie ist gut und notwendig. Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir unterstellen, dass jede Form von Ordnung mit einer Wertung und Abwertung einhergeht. Ich glaube nicht, dass Frieden herrschen würde, wenn es keine Ordnung mehr gäbe und man unterstellt, dass alle Menschen genau gleich sind.
Ja. Die Physik kennt das Phänomen Entropie. Wenn Zeit vergeht, steigt die Unordnung, wenn man nicht von außen eingreift.
Mich fasziniert, dass bei der Physik der Mensch keine Rolle spielt. Alles ist so, wie es ist. Erst danach können wir Menschen uns einbringen und sagen, wie es uns damit geht. Das ist mir sehr sympathisch. Leider sind wir in letzter Zeit ein bissl davon abgekommen, die Faktenlage als Grundstock zu nehmen. Viele sagen: Bei mir geht’s – und dann hat sich die Welt danach zu richten. Das ist auch keine Ordnung.
Freundschaft ist ein viel verlässlicheres Miteinander als Liebe. Befreundet kann ich nämlich nur mit jemand sein, der auch mit mir befreundet ist. Lieben kann ich auch wen, der nicht einmal weiß, dass es mich gibt. Und bei der Liebe kann es sehr gut passieren, dass man den anderen Menschen verändern will zu einem Ideal, das man sich von diesem Menschen bastelt. Manche gehen mit dem Werkzeugkoffer in eine Beziehung.
Ich gehe gern Schmieden. Einmal im Jahr fahre ich mit einem Freund nach Hannover. Da sind wir dann ein paar Tage und schmieden uns Damastmesser. Das ist sehr schön, weil es in der Zeit, wo ich dort bin, nur die Schmiede, das Werkzeug, das Werkstück und mich gibt.
Das auch. Noch mehr reizt mich, dass ich etwas herstelle, das es vorher noch nicht gegeben hat. Dann ist es in der Welt und ich kann es verwenden. So ein Messer hat eine sinnvolle Funktion. Und gehe ich weg, ist es noch immer da. In meinem Beruf ist es anders. Nach „Dankeschön, schönen Abend!“ ist das, was ich gearbeitet habe, verschwunden. Die Menschen merken sich was davon und denken vielleicht darüber nach. Das ist toll. Nur ist das Gesagte nicht körperlich vorhanden. Ich gestalte gerne Wirklichkeit.
Für mich gar nicht so sehr. Früher hat man eine Woche in einem Haus gespielt. Heute spielt man einen Abend, vielleicht zwei an einem Ort und dann wieder woanders. Es gibt einfach mehr Kollegen als früher. Das ist in Ordnung.
Das war nicht geplant. Ich habe zuerst Reproduktionsfotograf gelernt. Wie ich aus der Schule raus bin, war der Beruf eigentlich schon Geschichte. Dann habe ich einen Studienabbruch hingelegt, war Nachtwächter und Kellner. Nach zwölf Jahren Kellnerei brauchte Alfred Dorfer Musiker für ein Programm. Einer davon war ich. Ich habe ihn beobachtet und mir gedacht: Das könnte ich auch. Ohne es unbedingt machen zu wollen. Ich habe den Leuten von der Kulisse, die damals ein sehr wichtiger Veranstaltungsort war, ein paar Geschichten von mir gezeigt und bekam den Auftrag zu einem Soloprogramm.
Ich glaube schon. Ich habe so schnell, unaufgeregt und sauber wie möglich bedient. Kopfrechnen kann ich auch. Heute hätte ich ein Problem damit, bei der Arbeit nicht rauchen zu dürfen. Dass man im Kaffeehaus nicht rauchen darf, ist absurd.
Ich brettere nicht, sondern fahre Tempo 100. Was ist der Reiz daran? Die Welt ist draußen, ich bin drin, die Tür ist zu. Niemand will was von mir oder wartet auf mich. Keiner weiß, wo ich bin. Ich mag daran die absolute Planlosigkeit, Bedürfnislosigkeit und Verpflichtungslosigkeit. Wirklicher Luxus ist, wenn man fünf Tage in Berlin ist und davon drei im Hotelzimmer versumpert. Man liegt, schaut fern, geht aufs Klo. Am Abend kriegt man einen Hunger, geht in einen Späti und kauft sich irgendeinen Scheißdreck.
Vier Wochen sind kein Problem. Ich habe natürlich nicht für so lang Wäsche mit. Darum muss ich in Münzwäschereien. Das ist das ganz kleine Abenteuer. Die finden sich nicht im Villenviertel, weil dort haben alle eine Waschmaschine. Man bekommt dadurch einen anderen Eindruck einer Stadt als ein Tourist.
Nein. Da habe ich großes Glück. Ich habe nicht sehr viel zu tun und muss nicht hetzen.
„Nicht nur, sondern nur auch – ein ziemlich ungeordneter Versuch, über Ordnung zu reden” premiert am 19. September im Stadtsaal Wien und tourt hierauf durch Österreich. Tickets gibt es bei oeticket.com.