Bild: oeticket
Filmkomponist Hans Zimmer stellte bei einer Pressekonferenz seine Ideen hinter der Neuinterpretation der österreichischen Nationalhymne anlässlich des Formel-1-Rennens in Spielberg vor.
Aus 400 Bewerber:innen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich wurden über 50 leidenschaftliche Musiker:innen und Formel-1-Fans ausgewählt, die mithilfe der MyGroove-App die Instrumente und Hymne lernen konnten.
Gemeinsam mit Marting Grubinger und Hans Zimmer werden sie in nur zwei Minuten etwas Außergewöhnliches live vor dem Start in Spielberg präsentieren.
„Das Beste an der Musik ist, dass man nicht der beste Musiker sein muss, sondern hauptsächlich Mut & Freude braucht,“ erklärte Zimmer.
So wagte es Hans Zimmer den Takt von 3/4 auf 4/4 zu ändern, um musikalisch auf die moderne Technik der Formel 1 einzugehen. „Man kann dazu (zur Neuinterpretation der Hymne) keinen Walzer tanzen. Es schien mir angemessener für die Technologie, die die Autos im Moment haben. Ich möchte nur die Stärke und Reaktionszeit dieser übermenschlichen Fahrer und die Technologie, die diese Autos heute haben, betonen. Der Viervierteltakt ist daher ein Hinweis auf die Mechanik der Autos,“ erläuterte Zimmer.
Auf die Frage, welche Art von Musik er für eine Formel-1-Umgebung komponieren würde, antwortete Zimmer: „Das ist nicht so einfach, weil die Autos selbst sehr laut sind. Letztlich schreibe ich nicht für die Autos, sondern für die Fahrer. Für den Geist, das pochende Herz, das Adrenalin, für das Publikum. Ich schreibe für die Aufregung und die Dramatik. Auf eine lustige Art und Weise sind die Autos mein Feind, weil sie wirklich sehr laut sind.“
Wie geht man das Umkomponieren von Mozart an? „Am Anfang denkt man, man darf das gar nicht. Aber nachdem ich aus acht Schulen geflogen bin und wirklich ein Schlitzohr bin, habe ich mich doch getraut. Ich sage nicht, ich habe ihn verbessert. Es ist ein Versuch, ein wenig Spaß in diese Hymne zu bringen. Es muss nicht immer so ernst sein.“
Spaß und Freude an der Sache ist dabei immer im Fokus: „Das Wichtigste an Musik ist, dass man sie spielt. Dieses Spielerische muss man sich bewahren.“
Die Hymne wird vorwiegend von Laienmusiker:innen interpretiert. Kann das funktionieren? „Was heißt es wird funktionieren? Es wird nicht klingen wie die Wiener Philharmoniker, aber es wird klingen, als hätten die Leute Freude daran. Und das ist mir am wichtigsten an der Musik – die Freude daran.“
Zimmer wählte die Teilnehmer:innen nicht unbedingt nach ihren musikalischen Fähigkeiten, sondern nach ihrer Freude und ihrem Schwung aus. „Man muss Spaß mit ihnen haben können.“
Zur Bewahrung der Würde der Hymne sagte Zimmer: „Das war das Problem. Wie kann ich das würdevoll und spaßhaft machen? Am Ende des Tages denke ich daran: Es geht um die Leute. Es geht um das Leben. Österreich ist ja nicht ein Land, wo jeder den ganzen Tag weint, sondern wo wir auch Freude und Spaß haben. Wir haben Komiker, tolle Autoren und Musiker. Also die Würde kommt auch aus dem Spaß.“
Zimmer selbst wird auch ein Instrument spielen: „Ich bin ein ganz schlechter Gitarrist. Aber ich spiele mit sehr viel Enthusiasmus. Also Technik wird durch Enthusiasmus kompensiert. Das kann auch ganz schief gehen,“ lachte er.
Auf die Frage, wie sich die Hymne anfühlt und wie sie klingen wird, antwortete Zimmer: „Electronic meets Brian May. Aber Brian May ist ein wirklich guter Gitarrist. Also besser gesagt 'Electronic trifft auf einen, der gerne wie Bryan May spielen würde.' Es ist ein Experiment. Ich habe tatsächlich schon mit Brian May gespielt und viel von ihm gelernt. Ein Stück von 3/4 in 4/4 zu verwandeln und es so zu gestalten, dass es in der Menge funktioniert, kann man nicht mit einer Blockflöte machen.“