Bild: Bulletin / Tina Herzl
Rowan Atkinson, der schrullige Mr. Bean, wurde dieses Jahr 70. Bob Marley wäre dieses Jahr 80 geworden, würde er noch leben. Auch Nina Hagen und Helge Schneider feiern dieses Jahr ihren Siebziger, Eric Clapton wird 80 und 50 Cent wird — 50. Frank Sinatara und Edith Piaf würden heuer ihren 110. Geburtstag feiern, und noch deutlicher dreistellig ist der diesjährige runde Geburtstag eines der größten österreichischen Komponisten: Johann Strauss wurde (Ende Oktober) vor 200 Jahren geboren. Grund genug für die Stadt Wien, ein Ganzjahresfestival zu veranstalten, das bereits mit dem Neujahrskonzert in der Silvesternacht begann.
Seit Jahresanfang feiert die Stadt Wien Johann Strauss - ist er immerhin nicht nur touristischer Magnet unserer Bundeshauptstadt, sondern mit seinen Walzern und Polkas auch einer der “typischsten” österreichischen Künstler. Von klassischen Konzerten bis non-classic Performances, Operetten bis Theateraufführungen, Tanz bis Zirkus, Installationen bis Ausstellungen, Film bis Wissenschaft, teilt sich das Spektrum in drei Programmsäulen auf:
Die Reihe “PUR” präsentiert die originale Strauss-Musik und zeigt die Einzigartigkeiten ihrer großartigen Orchestrierungen und bezaubernden Melodien, die bis heute in der Welt stets neue Begeisterung ausüben. Die “MIX”-Veranstaltungen nehmen Themen, die aus Strauss' Kunst und Leben stammen, bauen auf ihnen auf und um sie herum etwas Neues - destillieren, bearbeiten und spinnen aus Altbekanntem Unerwartetes. Ein besonders spannender Zugang ist jedoch die “OFF”-Reihe: Hier wird Strauss' Musik in ganz neue Dimensionen katapultiert, das Publikum soll in einen Raum jenseits des gewöhnlichen Theater- und Konzertbetriebs mitgerissen werden und wie Strauss am Puls der Zeit bleiben. Die wohl prominenteste Veranstaltung jener Säule wird von niemand geringerem als Christian Kolonovits und Camo & Krooked verantwortet - gemeinsam und mit den Wiener Symphonikern “verheiraten” sie die Welt von Johann Strauss mit der von Camo & Krooked, die Welt der Klassik mit der des Drum'n'Bass.
Bereits 2020 haben Camo & Krooked und Christian Kolonovits kollaboriert: Es war dies der Startschuss der “Red Bull Symphonic”-Serie, die es sich seitdem weltweit (!) zum Ziel gesetzt hat, die Welt der Popmusik in die der Orchestermusik einfließen zu lassen. Sorgfältig ausgewählte Songs werden hier komplett neu arrangiert und mit einem handverlesenen Orchester live auf die Bühne gebracht - natürlich in akustisch perfekten Konzertsälen. Zwei dieser unvergleichlichen Gänsehaut-Momente gingen bereits in Wien - genauer: im Wiener Konzerthaus - über die Bühne, nach dem Startschuss mit Camo & Krooked auch 2022 mit Seiler & Speer, ebenfalls mit Christian Kolonovits und begleitet vom Max Steiner Orchester.
Nun freuen wir uns im Rahmen des Johann-Strauss-Jahres und nach Stationen auch in der Schweiz, Amerika und Australien auf die bereits sechste Edition von Red Bull Symphonic - mit seiner dritten Österreich-Präsenz nicht nur am 18. und 19. September im Wiener Konzerthaus, sondern - in einer verkürzten Fassung - auch am 20. Juni auf der FM4-Bühne beim Donauinselfest, Österreichs größtem open-Air-Festival.
Zum 200. Geburtstag von Johann Strauss werden Camo & Krooked diesmal nicht ihre eigenen Lieder in ein klassisches Gewand hüllen, sondern gemeinsam mit Christian Kolonovits und den Wiener Symphonikern Drum'n'Bass auf den Walzerkönig prallen lassen, wie sie im Gespräch erzählen. Das ist natürlich deutlich herausfordernder, als “nur” die eigenen Songs zu überarbeiten: “Obwohl sowohl die Musik von Johann Strauss als auch die von Camo & Krooked 'Tanzmusik' ist, gibt es nicht allzu viele Schnittmengen”, verrät Camo & Krooked-Hälfte Markus Wagner. Und Christian Kolonovits führt für die Musik-Theoretiker unter uns weiter aus: “Die Musik von Johann Strauss ist in Dur, Camo & Krooked jedoch in Moll - also mussten wir sehr viele Themen erst transferieren. So entstehen vollkommen neue Musik-Dramaturgien, aber auch vollkommen neue Emotionen.” Natürlich haben die Künstler Respekt im Umgang mit den originalen Kompositionen bewiesen, wenn sie sie mit der Musik von Camo & Krooked “verheiratet” haben: “Es galt für beide Seiten, Kompromisse zu finden”, verrät Wagner weiter.
Es klingt vielleicht auf den ersten Blick “verrückt”, was Camo & Krooked gemeinsam mit Christian Kolonovits und den Wiener Symphonikern geplant haben, aber: Kolonovits kommt aus der Welt der Klassik und beweist schon seit den Achtzigern, dass Verbindungen mit der Welt der Popmusik nicht nur möglich sind, sondern tatsächlich auch fantastische neue Klangwelten eröffnen können - insbesondere wenn er mit den Wiener Symphonikern ein Orchester zur Seite gestellt bekommt, das nicht nur “klassisch”, sondern tatsächlich auch “on the beat” musizieren kann - und 175 Beats sind da schon auch eine Herausforderung! Und Camo & Krooked? Markus Wagner und Reinhard Rietsch sehen ihren Zweitling bei Red Bull Symphonic in erster Linie als eine “Fusion, die eine Challenge ist” - und eine ebensolche Herausforderung ist für sie als Künstler unumgänglich, denn ohne Herausforderung wird die eigene Musik auch rasch zur Routine und Routine zur Langeweile; Und sowohl Johann Strauss als auch Camo & Krooked sind genau das Gegenteil von Langeweile: Bei beiden geht es um Wow-Effekte mit überbordenden Emotionen.
Doch nicht nur die Stadt Wien allein feiert dieses Jahr den 200. Geburtstag von Johann Strauss! Auch abseits des Kulturprogrammes der Bundeshauptstadt verbeugen sich zahlreiche Künstler*innen quer durch Österreich vor unserem “Walzerkönig”! Zahlreiche Veranstaltungen findet ihr etwa auf oeticket.com, ein paar Highlights habe ich für euch herauskristallisiert:
Allen voran ist da natürlich ein anderer Walzerkönig, nämlich André Rieu, der mit seinem Johann-Strauss-Orchester, zahlreichen Solisten und der jungen Ausnahmesängerin Emma Kok am 19. November in der Wiener Stadthalle D gastieren wird. Freilich hören wir nicht “nur” Strauss: Das bunte Programm von Rieu umfasst populäre Werke aus einer Vielzahl an Opern, Musicals und Filmmusik, sowie beliebte Evergreens und beschwingte Walzer.
Ein ganz besonderes Highlight erwartet uns im Rahmen des Kultur Sommer Güssing am 24. Juli: Publikumsliebling Konstanze Breitebner schlüpft im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf bei der Lesung “Madame Johann Strauss: Die Ehefrauen des Walzerkönigs” in die Rollen der drei Ehefrauen des Walzerkönigs, die in seinem Schatten als Musen, Sekretärinnen, Managerinnen und Geliebte gelebt haben. Nun werden sie – Jetty, Lili und Adele – ins Bühnenlicht gerückt; spannend, komödiantisch, berührend und bewegend enthüllen sich drei völlig unterschiedliche Frauenschicksale, die turbulent, glückhaft, aber auch tragisch verliefen. Eine fein abgestimmte, dynamisch, sinnliche Musikauswahl - interpretiert von den renommierten Neuen Wiener Concert Schrammeln - wird subtil in das Stück verwoben, und führt so ins Klang-Universum des unvergleichlichen Komponisten Johann Strauss.
Bereits am 3. April entführt uns Christoph Wagner-Trenkwitz im Rahmen von “Klassik.Klang Berndorf” in der Berndorfer Säulenhalle in die Welt von Johann Strauss: Er spricht mit viel Laune und Humor mit Podiumsgast Prof. Dr. Eduard Strauss, dem Obmann des Wiener Instituts für Strauss-Forschung und selbst Urgrossneffe des Walzerkönigs (!), über das Leben und Wirken des großen Johann Strauss Sohn und der gesamten Strauss- Dynastie. Die Gegenwart eines direkten Familienmitgliedes der Familie Strauss verspricht eine ganz besondere Begegnung mit der Geschichte! Ein Streicher-Ensemble unter der Leitung des Wiener Philharmonikers Prof. Günter Seifert und seinen philharmonischen Freunden begleitet und umrahmt das Gespräch hochkarätig musikalisch.
Nicht nur, aber auch am 31. August ist ein Besuch bei Theater im Park angesagt: Zu Ehren des 200. Geburstages von Johann Strauss geben da Solisten der Wiener Philharmoniker dem Walzerkönig ein spezielles Konzert: Mit im Gepäck hat das philharmonische Ensemble zwischen vielen charmanten Polkas die berühmten Geschichten aus dem Wienerwald, Wiener Blut, Künstlerleben, den Frühlingsstimmen-Walzer und, wie gewohnt als krönenden Abschluss, den Donauwalzer.
Am 29. und 31. Dezember freuen wir uns auf die “Wiener Johann Strauss Konzert-Gala”, die sowohl im Veranstaltungszentrum Kaiserwinkl in Kössen, als auch im Konzerthaus Klagenfurt gastiert. Seit 1996 zieht der österreichische Exportschlager - das Original mit Kendlingers K&K Philharmonikern - mehr als 1,5 Millionen Liebhaber in 19 europäischen Ländern in seinen Bann - ein musikalischer Jungbrunnen, an dem selbst Könige und Kaiser ihre wahre Freude hätten, Kultstatus inbegriffen! Auf dem Programm stehen neben den unverkennbaren Evergreens der Strauss-Dynastie traditionell auch vielerlei Raritäten. Zudem ist erfrischender Humor ein Markenzeichen dieser Konzertreihe. Freuen darf man sich natürlich auch auf den Donauwalzer und die obligatorische Zugabe Radetzky-Marsch.