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Konzerte

Langsam wochs ma z’amm ...

13.04.2023 von Robert Fröwein

Mit „Da Hofa“ begründete Wolfgang Ambros vor mittlerweile 52 Jahren den heute immer noch sehr vitalen Austropop. Die „Nummer eins vom Wienerwald“ wurde zum Aushängeschild für eine ganze Armada an großartigen Künstlern aus der Alpenrepublik – wie etwa auch Gert Steinbäcker. Das „erste S von STS“ sah Ambros’ Durchbruchshit als Initialzünder für die eigene musikalische Entwicklung. Nun gehen die beiden Granden auf gemeinsame Sommertour und schwelgten in unserem Interview in humorigen Erinnerungen.

Was ist das erste, dass euch spontan zum anderen einfällt?

Steinbäcker: Neben Udo Lindenberg war Wolfgang eine äußerst wichtige Person für mich in meinem Entschluss, überhaupt die Laufbahn als Musiker einzuschlagen. Die beiden haben mir durch ihre Tätigkeit als ungefähr 17-Jährigen vermittelt, dass ich das auch könnte.

Ambros: Gert hat sich nie groß verändert und wir haben zu einer ähnlichen Zeit Griechenland für uns entdeckt. Er macht eine ähnliche Musik wie ich und ist ein sehr wichtiger Kollege und guter Freund von mir.

Welches Lied des jeweils anderen berührt euch besonders?

Steinbäcker: Sehr berührt hat mich „Langsam wochs ma z’amm“. Es vermittelt ein ganz eigenes Gefühl, ich spüre das Lied einfach richtig.

Ambros: Da gibt es etliche und ich kann mich unmöglich auf eines festlegen. Da wäre ich allen anderen Liedern gegenüber ungerecht. Gert hat aber eine ganze Reihe an Liedern geschrieben, die mir ans Herz gehen.

Diesen Sommer spielt ihr ein paar Konzerte gemeinsam. Wie kann man sich diese Auftritte vorstellen? Spielt ihr auch zusammen?

Steinbäcker: Wolfgang war in der Grazer Stadthalle bei meiner Abschiedstour dabei und das war super. Bei den Sommerkonzerten spielt jeder von uns sein Set. Jeder hat seine Stunde plus Zugaben und es ist gut möglich, dass wir vielleicht ein Lied gemeinsam spielen werden. Wir müssen uns noch einmal zusammensetzen und das genauer besprechen. Wir sind aber offen für alles.

Ambros: Was sollten wir gemeinsam spielen? „Alt und Jung“? Das sagt sich so leicht und man stellt es sich einfach vor, aber in Wirklichkeit muss man sehr viel dafür proben. Das ist ein großer Aufwand für eine oder zwei gemeinsame Lieder.

„Alt und Jung“ ist auf Wolfgangs Album „Wasserfall“. Das Lied habt ihr gemeinsam mit Willi Resetarits und Georg Danzer eingesungen.

Steinbäcker: Es hat heute eine ganz besondere Bedeutung. Es ist eine wehmütige Erinnerung an die beiden Verstorbenen und ich erinnere mich sehr gerne an die Aufnahmen zurück. Damals haben wir das erste Mal mit Rossacher und Dolezal zusammengearbeitet. Ich dachte immer, ein Video zu einem Lied ist in einer halben Stunde erledigt. Nach 16 Stunden war mir dann klar, dem ist nicht so (lacht).

Ambros: Ich habe mich damals hingesetzt und einen nach dem anderen angerufen – und jeder meinte „eh klar“. Das Video war damals ein bisschen aufwändiger als viele andere, die man im Austropop gewohnt war. Es war aber auch nicht so aufwändig, dass man es mit einer Filmproduktion verwechselt.

Direkt danach war Wolfgang Gast auf Gerts Solo-LP „Steinbäcker“.

Steinbäcker: Genau. Dann habe ich mich auch getraut, ihn zu fragen (lacht).

Ambros: Es ist ganz normal, dass einer den anderen fragt, wo mitzuspielen. Ich habe sehr viel mit Georg Danzer und vielen anderen gemacht – zuletzt mit Christopher Seiler.

Welche Charakterzüge oder Fähigkeiten schätzt ihr am anderen besonders?

Steinbäcker: Wolfgangs Ehrgeiz. Ich stehe grundsätzlich auf schrullige Menschen, die eigenwillig und eigenartig sind und trotzdem etwas Vernünftiges auf die Reihe bringen. Das imponiert mir sehr.

Ambros: Gert ist ein ausgesprochen lieber Mensch, einer meiner allerliebsten Kollegen. Ich mag aber die meisten von denen, die noch leben. Ihn halt besonders (lacht).

Wie würdet ihr die Arbeitsweise und Freundschaft zwischen euch beschreiben?

Ambros: Wir beiden schreiben Lieder und hoffen, dass die Leute sie dann kaufen. Wir sind gut befreundete Kollegen.

Steinbäcker: Anfangs war ich mehr eine Art Fan oder Bewunderer seiner Kunst. Ich habe Wolfgang sehr geschätzt. Als ich dann selbst etwas zusammengebracht habe, speziell mit STS, hat sich diese gegenseitige Wertschätzung einzementiert. Wir haben auch immer wieder mal zusammengearbeitet. Wir klebten nie zusammen, schätzten uns aber immer sehr.

Fällt euch irgendeine besonders spezielle Anekdote zum anderen ein?

Steinbäcker: Vor zirka 35 Jahren war ich bei ihm in Waidring Skifahren. Seine damalige Frau hat beim Heimfahren gefragt: „Na? Wie fährt der Gert?“ und der Woiferl meinte nur: „Es geht eh.“ (lacht) Aber gut, er war Skilehrer und kann das um Ecken besser, aber er hat meinen Stil knapp und prägnant beschrieben. Diese Geschichte charakterisiert Wolfgang mehr als alles andere.

Ambros: Na, du konntest es „ja eh”. Du warst nicht schlecht und ich habe dir ja nur unser Skigebiet gezeigt und nicht, wie es geht (lacht). Immer wieder schön war es, wenn wir uns auf der griechischen Insel Patmos in der Ägäis getroffen haben. Ich war oft zu Besuch in seinem Haus und hatte schöne Zeiten mit ihm. Gert hat sich ein Haus mitten in der Stadt gekauft. Normalerweise geht man ja davon aus, dass man sich ein Haus am Meer kauft – bei ihm ist das anders (lacht).

Gab es früher bei euch auch so etwas wie einen augenzwinkernden Wettkampf darüber, wer die besten Lieder oder Texte schreiben würde?

Steinbäcker: Nein. Österreich ist ein kleines Land und in dieser Szene kennt sich jeder. Wir sind mittlerweile auch gut mit unseren Nachfolgern Seiler & Speer und Pizzera & Jaus bekannt. Die einen haben mehr Bezug zu Wolfgang, die anderen mehr zu mir – aber das ist auch der Geografie zwischen Wien und der Steiermark geschuldet. Jeder nahm seine Arbeit immer ernst, was ich auch wichtig finde.

Ambros: Unter Umständen ist auch ein Wettkampf dagewesen, aber dann sicher unterbewusst und unbewusst. Die Alben kamen damals nach der Reihe raus und man hat sich natürlich genau angehört, was der andere gemacht hat. Es gab aber niemals Neid oder Eifersucht. Etwas nachahmen zu wollen, das ist sowieso zum Scheitern verurteilt. So etwas gelingt nie.

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Wolfgang Ambros trifft Gert Steinbäcker am 30. Juni in der Festung Kufstein, am 7. Juli in der Freiluftarena B in Graz, am 13. Juli im Rahmen von Klassik am Dom in Linz, am 17. August auf der Rosenburg und am 20. August im Schloss Marchegg. Ambros und Steinbäcker geben aber auch Einzelkonzerte, erster u. a. im August auf der Donaubühne Tulln, zweiter u. a. mit Seiler & Speer am 6. Juli im Schlosspark Esterházy. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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