2017 wird der londongebürtige Live-Evil-Ableger erneut am letzten Mai-Wochenende in Berlin fortgesetzt: Nekromantheon, Obliteration und viele mehr werden erneut Gift und Galle spucken.
Ja, von der britischen Hauptstadt aus hat sich die Marke "Live Evil" - auch dank des prominenten Zugpferds Fenriz von Darkthrone - international (oder zumindest europaweit) seit 2010 einen Namen erarbeitet. Bei der Berlin-Premiere letztes Jahr schwang jedoch vorerst ein kleiner Unsicherheitsfaktor mit: Wird am Festland - im doch bereits regen Festivaltreiben - ein neues (noch dazu alles andere als kommerziell ausgerichtetes) Festival gut angenommen, klappt alles wie am Schnürchen? Die Zweifel wurden - bei einem Billing, das neben Manilla Road u.a. Amulet, Vulcano, Occvlta, Bulldozer, Antichrist und Morbid Panzer in seinen Reihen vermelden durfte - rasch beiseite gewischt, denn das urige
Cassiopeia, auf einem Gelände ähnlich der Wiener Arena gelegen, platzte aus allen Nähten - Unmut gab es dennoch zu keiner Sekunde zu vermelden. Verschnaufpausen zwischen den durchwegs starken Auftritten bot der Biergarten im Hof, der bei Kaiserwetter - für das wir die Veranstalter zur Abwechslung leider nicht verantwortlich machen können - zum Verweilen einlud.
https://www.youtube.com/watch?v=8oLPpElOR2g
Es war natürlich vor allem das Lineup, das man eben nicht jedes Wochenende in greifbarer Ferne hat, das den Auftakt des Live Evil in Berlin gelingen ließ: Jedoch nicht nur die landläufig bekannten Künstler (Manilla Road, Amulet), sondern auch die (lokalen) Neuentdeckungen (Morbid Panzer) überzeugten durchwegs mit musikalischen Spitzenleistungen - irgendwo im Einzugsgebiet aus Death, Doom, Thrash, Speed, traditionellem Heavy Metal und Punk mit Crust-Schlagseite. Umso mehr freuen wir uns, die Festivalfortsetzung bekannt geben zu dürfen - eine Fortsetzung, die bereits jetzt erneut mit einem überaus spannenden Billing zu überzeugen weiß. Grund genug für uns, bei "Mr. Wolf City", Ezio Sabottigh etwas nachzubohren ...
2016 hat die Live Evil-Reihe aus London einen Berlinableger dazu bekommen. Was macht gerade Berlin für bereits auf der Insel erprobte Reihen (ähnlich auch das Desertfest) so attraktiv?
Wahrscheinlich die Tatsache, dass die Stadt auch von einem touristischen Standpunkt sehr beliebt ist. Außerhalb des Festivals kann man viele andere Sachen machen: Party ohne Ende, Sehenswürdigkeiten, Kultur und vieles mehr. Die Position der Stadt innerhalb Europas macht sie auch einfach zu erreichen, die Flüge sind billig und das Leben auch (noch), zumindest im Vergleich zu anderen Hauptstädten. In unserem Fall war es mehr oder weniger Zufall - die Londoner wollten das Festival-Konzept exportieren, aber nicht gezielt nach Berlin. Aber dann haben wir uns getroffen und schnell festgestellt, dass wir das selbe Konzept hatten. Von diesem Punkt an ging es ziemlich schnell voran!
Wie eng sind London und Berlin hinsichtlich Team, Bandauswahl und Anspruch verwoben?
Wir teilen alles dem Londoner Team mit und wir versuchen so viel wie möglich, Entscheidungen zu treffen, mit denen alle zufrieden sind. Aber am Ende bestimmen wir, wer hier spielt und sie tun dasselbe in London. Das Londoner Live Evil hat auch eine längere Geschichte, mehr Erfahrung und ist auch anspruchsvoller geworden, wenn es um die Größe des Festivals und der Bands geht. Wir sind gerade dort, wo sie 2010 oder 2011 waren und im Moment fühlen wir uns ganz wohl dort.
Wie weit ist Radio Fenriz auch für Berlin ein direkter Bezugspunkt? Was macht eine Band aus, die für das Live Evil „relevant“ ist?
Radio Fenriz spielt keine Rolle bei der Bandauswahl. Klar, der Mann hat einen guten Geschmack und deswegen landen viele Bands in seinem Programm, die wir auch beim Live Evil Berlin haben wollen, aber letzendlich trifft er keine Entscheidung im Bezug zum Booking. Sollte er aber uns Bands vorschlagen, werden wir das immer aufmerksam beachten. Das Live Evil ist damals als Festival der "Bands of the Week" entstanden, aber das Konzept hat sich seit langem weiterentwickelt.
Relevant für Live Evil ist Underground-Glaubwürdigkeit (was nicht unbedingt mit "Kvlt-Faktor" oder Beliebtheit vergleichbar ist), Sound und Ästhetik einer Bands spielen dabei eine wesentliche Rolle. In diesem Sinne kann man schon sagen, dass wir ähnliche Maßstäbe wie Fenriz anlegen. Und, um ehrlich zu bleiben, wir brauchen natürlich auch ein paar Bands, die Tickets verkaufen.
Daran anschließend: Wo sind stilistische Genregrenzen für das Live Evil?
Naja, das Live Evil ist ein Metal-Festival, das ist klar. Wenn es nur nach unserem persönlichen Geschmack ginge, wäre es ein richtig buntes Fest
(lacht). Aber wir bleiben dem Konzept treu. Innerhalb von diesen Grenzen ist alles möglich, hauptsache wir finden die Bands gut: Also von Hard Rock bis zum Black Metal und ein paar Abstecher in Richtung Punk oder Rock´n´Roll, hauptsache mit Attitüde. Wir versuchen auch, eine gewisse Balance im Line-Up zu finden, nicht, dass zum Beispiel zu viel Death- oder Heavy Metal stattfindet - das ist meiner Meinung nach auch eine Stärke des Live Evil. Spezialisierte Festival gibt es schon genug, vor allem in Deutschland.
In wie weit spielt die Location Cassiopeia, bzw. das ehemalige Industrieareal, in dem sich die Location (wie auch das Urban Spree der Aftershowparty) befindet, eine ideelle Rolle?
Die meisten Clubs in Berlin sind zu klein oder zu groß, oder zu hässlich (lacht). Das Cassiopeia war von Anfang an die logische Entscheidung, weil es in vieler Hinsicht unseren Wünschen entspricht: zentral und gut angebunden, viel Platz außerhalb des Lokals zum Chillen, zwei Bühnen und die richtige Kapazität. Wir waren extrem zufrieden mit der Zusammenarbeit letztes Jahr und deswegen werden wir sie jetzt fortsetzen.