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Kabarett & Comedy

Malarina über Melania Trump und andere Trophäenfrauen

12.02.2025 von Sebastian Fasthuber

Malarina war im heimischen Kabarett die große Entdeckung der letzten Jahre. Nun präsentiert sie ab März ihr neues Programm „Trophäenraub“. Es geht um osteuropäische Trophäenfrauen und um die kleinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Vorab führten wir ein Gespräch über Melania Trump, ATV-Sendungen und Feminismus am Balkan.

Dein Debüt „Serben sterben langsam“ war extrem erfolgreich. Wie bist du an das neue Programm herangegangen?

Ich habe das erste Programm wirklich lang gespielt und gehofft, ich kann es wie Josef Hader machen und zehn Jahre damit auftreten. Aber dafür war es leider nicht zeitlos genug. Außerdem ist es gut aufzuhören, solang der Saal noch voll ist. Der große Unterschied ist, dass niemand das erste Programm bei mir bestellt hat. Es gab keine Erwartungshaltung.

In „Trophäenraub“ geht es um das Phänomen der sogenannten Trophäenfrauen - also jungen Frauen, die Beziehungen mit älteren, wohlhabenden Männern eingehen. Wie kam es dazu?

Meine Stücke haben einen roten Faden, ich mache ja kein Nummernkabarett. Wenn ich in Sendungen wie der "Tafelrunde" oder "Pratersterne" auftrete, brauche ich aber kürzere Nummern. Die kann ich nicht aus meinem Programm isolieren, da schreibe ich etwas Neues. Aus ein paar solchen Texten hat sich ergeben, welche Themenschwerpunkte das neue Programm haben wird: Beziehungen und Feminismus, aber nicht Feminismus im modernen Sinn, sondern die unterschiedliche Entwicklung feministischer Werte in ehemals kommunistischen und kapitalistischen Ländern.

Das klingt ja fast wie eine Diplomarbeit.

Stimmt. Ich glaube, es wird aber auch ganz witzig. Mir ist aufgefallen: Es gibt immer mehr Männer aus dem Westen, die nach Bosnien, Serbien, Rumänien oder Russland fahren, um junge Frauen zu finden. Es existieren eigene Agenturen dafür und der TV-Sender ATV hat ein Reality-Format daraus gemacht. Bei dieser Sendung habe ich übrigens viel Glauben an die Menschheit gelassen. Mich hat an dem Thema interessiert: Warum heiratet man jemand aus materiellen Gründen? Das wollte ich mir erklären.

Und?

Liebe und Ehe haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun. Meine Figur im Programm hat zum ersten Mal ein bisschen Geld verdient. Das hat sie leider schnell ausgegeben und verdrängt, dass sich das Finanzamt noch melden wird. Weil sie pleite ist, wird die Ehe für sie auf einmal zu einem attraktiven Modell. Zuerst wollte sie alles allein schaffen und neureich werden. Dann geht sie in Hietzing spazieren und wünscht sich ein Haus dort. Sie trifft eine Trophäenfrau, die ihr erklärt, dass sich kein Mensch so ein Haus leisten kann. Niemand kauft in Hietzing, alle erben. Also sucht sie wen mit altem Geld. Sie ist eine Opportunistin.

Was denkst du über Melanie Trump, die derzeit berühmteste Trophäenfrau?

Ich glaube, sie ist in einer Machtposition. Sie hält Donald Trump an einer kurzen Leine. Er ist auf sie sehr angewiesen. Es wäre für ihn peinlich, sie nicht mehr zu haben. Er kann sie nicht so schnell ersetzen. Nicht mit einer, die ihr Format hat, höchstens einer Moderation von Fox News. Mein Bauchgefühl sagt mir: Die sind gar nicht zusammen. Ich würde meinem Partner nie in die Öffentlichkeit die Hand wegschlagen. Diese Szene war so demütigend. Aber er wird sie vorher schon verärgert haben. Die verbringen wahrscheinlich nicht viel Zeit miteinander. Sie hat sicher ein nettes Leben im Trump Tower. Ich glaube, sie ist nicht so intelligent, wie die Leute denken, aber auch nicht blöd. Sie wirkt wie ein sehr unnahbarer Mensch. Slowenen sind ja die Schwabos Jugoslawiens, also unterkühlt. Ich glaube, Melania gibt ihm Vollgas und hat die Hosen an.

Woran liegt es, dass so viele Trophäenfrauen aus dem Osten Europas kommen?

Als man den Frauen im Osten mitgeteilt hat, dass es sowas gibt, haben sie gesagt: Geiler Scheiß, wo kann ich mich bewerben? Im Kommunismus haben sie alle in Fabriken gearbeitet, das war hart. Und es fand eine komplette Desexualisierung statt. Die Frau war eine Arbeitskraft, eine Genossin. In diesen Ländern gab es keine Frauenbewegung. Weil die Emanzipierung vermeintlich schon von oben passiert war. Am Papier waren die Geschlechter irgendwie gleichgestellt. In Wirklichkeit war es aber furchtbar. Frauen mussten ja trotzdem nach der Fabrik noch die Care-Arbeit machen.

Gibt es mittlerweile Feminismus am Balkan?

Nicht in der gesellschaftlichen Mitte. Serbien ist das Land der ewigen Nostalgie. Das Beste, was du als Mädchen werden kannst, ist schön. Das ändert sich, aber sehr langsam. Früher war es das Einzige, was du erreichen konntest. Wenn eine Frau ganz viel Glück hat, ist sie eine Mutter und trotzdem geil. Das serbische Frauenbild ist wie in der Pornografie: Wir haben die Rubrik “Teen” und danach kommt schon “MILF”. Dazwischen passiert gar nichts.

Welche Perspektive nimmst du im Programm ein?

Die der unsterblichen, allwissenden Erzählerin. Ich tue so, als wäre ich überall dabei gewesen. Um zu erklären, warum das Patriarchat nicht immer selbstverständlich war, gehe ich weit zurück. Das Programm umfasst 32.000 Jahre und zeichnet die Entwicklung der Position von Männern und Frauen nach, erzählt von einer unsterblichen queeren Person, die seit dem Neolithikum auf der Welt ist. Ich weiß, das klingt total deppert. Aber wir haben es bei den Proben sehr lustig.

Bist du inzwischen voll in der Kabarettwelt angekommen?

Ja. Beim ersten Programm dachte ich, ich mache das ein paar Mal. Aber es hat sich zu meinem Hauptberuf und einzigen Beruf entwickelt. Ich bin wirklich erstaunt. Über die Preise, die ich bekommen habe. Und auch darüber, wie weit in den Norden und Westen das erste Programm funktioniert hat. Ich habe es in Hamburg gespielt und in der Schweiz.

Warum heißt es eigentlich „Trophäenraub“?

Das Wort habe ich mir ausgedacht. Ich finde es naiv zu denken, dass es der Mann ist, der die Trophäe hat. Wenn er 25 Jahre vor ihr stirbt, wer hat denn dann auf lange Sicht die Trophäe? Vielleicht ist nicht die Frau die Trophäe, sondern das, was sie bekommt.

Gibt es das Phänomen auch schon umgekehrt - also mit jungen Trophäenmännern?

Noch nicht so oft. Frauen landen jetzt schon öfter in einer Machtposition. Aber sie verfügen noch selten über diese Mengen an Geld. Und der größte Unterschied zwischen Männern und Frauen ist: Wenn uns Frauen jemand unsympathisch ist, wollen wir mit dieser Person nicht mehr schlafen. Männer können dich hassen und wollen trotzdem mit dir schlafen.


Live-Termine


Malarina - "Trophäenraub"

ab März 2025 | u. a. in Wien, Linz, Tulln, Graz, St. Pölten, Wiener Neustadt, Dornbirn und Salzburg


Infos auf dem Stand vom 12.02.2025  

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