"Treffen einander ein Amerikaner, ein Brite und ein Italiener in Berlin": Nein, das ist kein neuer Witz, sondern die Kurzversion der Gründung der Mighty Oaks. Der Top Ten-Platz ihres Debütalbums „Howl“ überraschte vor zwei Jahren sogar das Trio Ian, Craig und Claudio selbst, nun schickt man sich mit „Dreamers“ an, Ende März den Nachfolger im bekannt ruhigen, folkigen Sound-Gewand in die Läden zu stellen. Zum Geburtstag des Radiosenders FM4 traten die Mighty Oaks zum Gig weit nach Mitternacht in Wien an. Wir plauderten noch zu früherer Stunde mit den gar nicht so mächtig aussehenden Burschen.
Der Bandname kann aber nicht von eurem Erscheinungsbild abgeleitet sein? Denn so mächtig seht ihr ja gar nicht aus …
Craig: Als Claudio und ich uns zusammengetan haben, suchten wir nach einem Bandnamen. Wir lieben alle die Natur und waren damals alle einzelne Singer-Songwriter. Es gibt im Englischen einen Spruch, „Mighty Oaks from little acorns grow“ (
"Mächtige Eichen wachsen aus kleinen Samen"). Wir dachten, das passt zu uns, denn wir waren kleine Eicheln und wenn wir uns zusammentun, wachsen wir vielleicht zu mächtigen Eichen.
Mit dem ersten Longplayer „Howl“ konntet ihr die Top Ten der deutschen Album-Charts knacken. Hatte das Auswirkungen bei der Arbeit an „Dreamers“? Gab es Erfolgsdruck, ist die Erwartungshaltung groß?
Craig: Im Hinterkopf wollen wir natürlich, dass es zumindest genauso erfolgreich wird …
Ian: Top-5 vielleicht! „Howl“ hat unsere Erwartungen weit übertroffen, wir hätten nie erwartet, in die Top-10 der Albumcharts zu kommen. Wir setzten uns jetzt selbst unter Druck, denn wir wollen nur das Beste veröffentlichen. Wir haben so lange geschrieben und an allen Liedern geschraubt, bis sie perfekt waren.
Manche ziehen sich, um abschalten zu können, in tiefe Wälder zum Schreiben zurück. Gab es bei euch eine Methodik?
Ian: Wir haben uns auch zum Schreiben aufs Land zurückgezogen, haben aber auch viel in Berlin geschrieben. Wir haben alleine geschrieben oder zusammen, wir haben die unterschiedlichsten Konstellationen ausprobiert. Es war eine Art Selbstfindungsprozess. Wir haben uns nicht neu erfunden, der Sound ist noch immer der von der ersten Platte. Er ist aber deutlich erwachsener, reifer und runder, melodischer und einfach besser.
Also gab es keinerlei Erfolgsdruck?
Ian: Doch, schon, denn wir versuchen immer Lieder zu schreiben, die im Radio funktionieren und gespielt werden. FM4 hat uns eingeladen, weil die unsere Lieder gerne spielen. Das ist auch bei der Plattenfirma ein Punkt, die wollen immer unbedingt Singles haben. Wir haben zwar einen Riesenerfolg gehabt, aber nie bewusst Singles geschrieben. Das kam als Überraschung, zum ersten Mal gezielt Singles schreiben zu müssen. Okay: Wie schreibt man eine Single?
Und?
Craig: Das wissen wir immer noch nicht. Du schreibst und schreibst und schreibst. Bis die sagen: Ja, das ist es!
Drei Burschen aus drei unterschiedlichen Ländern. Bemerkt man im Bandalltag die unterschiedliche Herkunft, die unterschiedlichen Kulturkreise?
Ian: Wir merken das nur selten, da wir alle in Berlin wohnen. Wir sind in Berlin alle fremd, wir sind alle Ausländer.
Würdet ihr euch als deutsche Band bezeichnen?
Ian: Neeeee. Wir sind alle nicht deutsch.
Craig: Das ist schwer zu sagen, denn Deutschland ist für uns schon so etwas wie ein Zuhause …
Ian: Aber ne, wir sind keine deutsche Band. Wir haben unsere Platte in den Hansa-Studios gemischt und dort sagte man, dass man merkt, dass das keine deutsche Produktion und wir keine deutsche Band sind. Wir wissen es aber sehr zu schätzen, dass wir in den deutschsprachigen Ländern Erfolge feiern konnten. Das liegt sicher daran, dass wir in Berlin wohnen und den Markt kennen, dass wir viel live spielen.
Claudio: Wir sind eine internationale Band!