Martin Eberle: Wir haben bereits als Kompost3 schon immer intensiv nach neuen Sounds gesucht und Instrumente anders eingesetzt - das ist ein Ansatz aus dem Jazz, speziell aus dem Free Jazz. Uns geht es dabei vor allem darum, unsere eigene Stimme als Musiker, als Individuen zu finden und unseren eigenen Vorstellungen und soundästhetischen Ideen gerecht zu werden.
Mira Lu Kovacs: Das stimmt. Ich begann bei fast jedem der neuen Song unbewusst einmal damit, eine Art Liebeslied zu schreiben - wenn auch nicht unbedingt an eine andere Person gerichtet. Und dann, in diesem stream of consciousness, wird mir klar, dass ich den Text genauso gut gesellschaftskritisch interpretieren kann - etwa dahingehend, wie wir Menschen unseren Planeten behandeln. Das ist ein Spagat, bei dem es um die Gleichzeitigkeit dieser Dinge geht: also sowohl darum, was eine kleinere Gemeinschaft ausmacht wie zum Beispiel die Beziehung zwischen zwei Menschen. Und gleichzeitig geht es dabei auch um einen kritischen Blick auf das große Ganze.
Benny Omerzell: Unser Künstler des Vertrauens, Schorsch Feierfeil, hat sich mit Mira auf die Suche nach einem Symbol für den Begriff "High Performer" gemacht. Da standen zunächst einige Ideen im Raum, Zucker als Bild für Schnelligkeit und Energie zum Beispiel, oder auch Streichhölzer. Und dann sind die beiden auf den Afghanischen Windhund gestoßen, der als Schönheits- und Statussymbol diesen Begriff des "High Performers" einfach perfekt widerspiegelt.
Mira Lu Kovacs: Das muss wohl ein wenig so sein. Ohne eine High Performance kann man in der Kreativbranche nur schwer bestehen. Aber ich finde, dass man das sehr wohl ständig hinterfragen sollte, und das wollen wir mit unserem Album auch tun. Aber weniger mit dem Fingerzeig, sondern mehr als Versuch der Auseinandersetzung. Und vielleicht klappt es ja doch irgendwann einmal, dieses System zu verändern.
Mira Lu Kovacs: Also, viele unserer Lieblingsacts haben auch am Primavera Festival gespielt - Dirty Projectors, Princess Nokia, Janelle Monae. Da ist viel Raum für avantgardistischen Pop und das Unangepasste kommt hier gut an. Und tatsächlich haben wir für unseren Auftritt bei diesem Festival ein tolles Feedback bekommen. Ja, es hat einen großen Reiz, an Orten zu spielen, wo uns noch niemand im Publikum kennt und wir die Leute überraschen können. Aber wir freuen uns auch auf die Auftritte diesen Herbst in Österreich, wo wir schon ein Publikum haben, das uns kennt und Erwartungen hat. Und in der Arena Wien aufzutreten, fühlt sich für mich immer wie eine Art "Homecoming" an.
Benny Omerzell: Also ich höre seit Wochen fast jeden Tag das neue Album von Thom Yorke, Anima.
Martin Eberle: Bon Iver und seit dem Primavera auch Kate Tempest. Eine gute Inspirationsquelle für die Band ist bei mir auch Radiohead.
Mira Lu Kovacs: Stimmt, Radiohead ist eine Religion - and I'm a believer. Was ich momentan gerne höre, ist die schwedische Musikerin Stina Nordenstam und ihr Cover von Purple Rain - wunderschön!
Manu Mayr (öffnet den Laptop, scrollt längere Zeit): Ja, da ist es: Fragment von Empty Set.
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