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Kabarett & Comedy

Niederkaltenkirchen ist überall

06.10.2022 von Hannes Kropik

Mit ihren Krimis über den bayerischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer und dessen ebenso skurriles wie liebenswertes Universum im fiktiven Niederkaltenkirchen wurde Rita Falk, 58, zu einer der erfolgreichsten Autorinnen im deutschsprachigen Raum – nicht zuletzt, weil acht ihrer mittlerweile elf „Eberhofer“-Bücher (zuletzt „Guglhupfgeschwader“ mit Sebastian Bezzel in der Hauptrolle) auch auf der Leinwand für grenzübergreifende Gaudi sorgen. Im Herbst geht die ehemalige Bürokauffrau, die erst mit 45 zur Schriftstellerin geworden ist, gemeinsam mit Christian Tramitz und Florian Wagner auf Tournee und präsentiert in „Die Oma wird ned g’schubst!“ lustvolle Eberhofer-Schmankerl. Rita Falks Antworten im folgende Gespräch denken Sie sich bitte in breitem bayerischen Dialekt.

Constantin Film

Du gehst mit Christian Tramitz, der die „Eberhofer“-Hörbücher eingesprochen hat, und dem Moderator Florian Wagner auf Tournee. Worauf dürfen sich deine Fans bei „Die Oma wird ned g’schubst!“ freuen?

Auf ein kurzweiliges Event, bei dem nichts einstudiert ist. Wir spielen und erzählen spontan aus dem Bauch heraus und werden dabei riesigen Spaß haben. Keine Veranstaltung ist wie die andere, für uns ist jeder Abend eine Premiere.

Wie geht es dir als Schriftstellerin, wenn du dir mit professionellen Schauspielern die Bühne teilst?

Ich stehe überhaupt nicht gern im Rampenlicht. Aber man wächst mit der Zeit in die Rolle hinein. Was ich sehr schätze, das ist die Freude, die vom Publikum zurückkommt. Der Schreiballtag einer Autorin ist ja ziemlich einsam. Du bekommst kein Feedback. Mein Computer sagt nie: „Heute hast du ganz toll in die Tasten getrommelt.“

Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Leserinnen und Lesern?

Sehr! Jedes Mal, wenn ich mit einem Buch zu den letzten drei, vier Kapiteln komme, werde ich wehmütig: „Das könnte der letzte Eberhofer-Krimi sein.“ Aber bei einer Kino- oder Lesetour bekomme ich so viel positive Resonanz, so viel „Frau Falk, bitte nicht aufhören!“, dass ich mich danach hinhocke und denke: „Komm, einen schreibst noch!“

Gibt es bei den Veranstaltungen die Möglichkeit, dich persönlich zu treffen?

Auf alle Fälle! Es gibt nach der Show immer noch eine Autogrammstunde; ich signiere wirklich bis zum letzten Menschen in der Schlange. Das ist mir ganz wichtig, dass auch der Letzte in der Reihe sein Buch signiert oder ein Selfie bekommt. Er kann ja nix dafür, dass er der Letzte ist.

Der Titel „Die Oma wird ned g’schubst“ bezieht sich auf eine skurrile Szene aus „Schweinskopf al dente“, dem dritten Eberhofer-Abenteuer ...

... wo die Oma im Baumarkt eigentlich nur einen Allibert kaufen will. Aber dann gibt halt ein Wort das andere, die Oma tritt den Verkäufer gegen das Schienbein, der schubst sie weg ...

... und der Eberhofer wirft den Verkäufer zu Boden, richtet die Dienstwaffe auf ihn und sagt: „Die Oma wird ned g‘schubst, hast du das kapiert, du Zipfelklatscher?“

Genau. Obwohl ich in meinen Büchern sehr viel aus meinem eigenen Leben preisgebe, ist das aber keine Szene, die ich wirklich erlebt habe. Sie ist einfach meiner kranken Phantasie entsprungen (lacht).

Aber die Figuren stammen aus deinem persönlichen Umfeld?

Die Eberhofer-Oma ist sehr nah dran an meiner eigenen Oma väterlicherseits. Sie war eine resolute Person und immer unglaublich direkt. Ich weiß noch, dass ich mir als Kind oft gedacht habe: Mein Gott, Oma, was sagst du da schon wieder? Als Erwachsene habe ich aber erkannt: Das ist die einzig richtige Vorgehensweise!

Die Eberhofer-Krimis spielen in der tiefsten bayrischen Provinz. Sind sie über die Landesgrenzen so beliebt, weil wir uns insgeheim nach einer überschaubaren, heilen Welt sehnen?

Das ist tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg. Im Zuge der wachsenden Globalisierung sucht das Publikum nach etwas Heimeligem, nach etwas Vertrautem. Ich höre das ganz oft von meinen Leserinnen und Lesern: „Frau Falk, das ist ja wie bei meiner Oma daheim.“ Es gibt eine große Schnittmenge zum eigenen Leben der Leser. Jeder kennt jemanden, der so ist wie eine Figur aus dem Eberhofer-Kosmos. Niederkaltenkirchen ist überall.

Wie gelingt es bei aller Bodenständigkeit der Figuren, nicht in einen dumpfen Nationalismus abzugleiten?

Bei allem Provinzialismus sind Eberhofer & Co. doch ziemlich weltoffen. Der Eberhofer, das muss man voranstellen, ist politisch überhaupt nicht korrekt. Aber er ist niemals abwertend und letztendlich sogar warmherzig. Ich trete mit meinen Büchern allen gegens Schienbein und damit wird die ganze Geschichte wiederum gerecht – und charmant.

Aber eigentlich ist der Eberhofer, der immer ein bisserl grantig und unfreundlich ist, gar nicht der große Sympathieträger. Warum mögen ihn die Leute so gern?

Weil er ein Anti-Held ist, den man sich auf keinen Fall zum Vorbild nehmen sollte. Aber wir alle kämpfen oft erfolglos gegen unseren inneren Schweinehund. Wir wissen genau, dass wir mehr Sport treiben und uns gesünder ernähren sollten. Aber der Eberhofer scheißt drauf. Natürlich bekommt er dann Probleme mit seiner Freundin Susi oder mit dem Cholesterin – aber auch das ist ihm wurscht. Er lebt so wie er möchte und macht sich keine großen Gedanken, ob das g’sund oder sinnvoll ist.

Im Nachwort zum aktuellen Eberhofer-Buch „Rehragout-Rendezvous“ verrätst du, dass dein Mann Robert, der viele Jahre bei der Polizei gearbeitet hat, im Sommer 2020 an Krebs verstorben ist. Wie wird sich das auf künftige Eberhofer-Bücher auswirken?

Früher habe ich von meinem Computer aufgeschaut und gefragt: „Robert, ich hab’ eine Idee – ist das korrekt aus Sicht der Polizei?“ Er ist auf der Wohnzimmercouch gelegen, Wollsocken an den Füßen, ein Glaserl Rotwein in der Hand und hat dann ja oder nein gesagt. Jetzt muss ich zum Telefon greifen oder fahre in eine Polizeiinspektion und lasse mich beraten. Der Eberhofer hat eine riesige Fanbase bei der Polizei.

Warum hört der Eberhofer eigentlich am liebsten AC/DC?

Weil das eine Musik ist, die eine Lebenseinstellung ausdrückt: „Lasst’s mich doch in Ruh, ihr geht’s mir alle am Arsch vorbei!“ Ich könnte mir keine Band vorstellen, die besser zum Eberhofer passt.

Bist du selbst AC/DC-Fan?

Ja, aber ich muss dafür in einer ganz bestimmten Stimmung sein. Dann bin ich sofort wieder die Rock’n’Rollerin, die ich mit 16 war.

Ich habe gelesen, du warst als Jugendliche ein Punk – stimmt das?

(lacht) Ich weiß nicht, woher das Gerücht herkommt. Aber tatsächlich war ich eine Zeit lang mit Rockern unterwegs, Punker war aber keiner dabei. Ich schwör’s!

Rita Falk, Tramitz und Wagner gastieren mit „Eberhofer unterwegs” am 30. November im Globe Wien, am 1. Dezember im Stadtsaal Vöcklabruck, am 2. im Stadtsaal Steyr. Tickets für alle Veranstaltungen finden Sie auf oeticket.com.

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