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Kabarett & Comedy

Paula Lambert, let's talk about Sex!

24.05.2024 von Hannes Kropik

Paula Lamberts neues Programm „S@x Education“ ist eine schamlose Gruppentherapie, die unser aller Leben verbessern soll. Im intimen Interview verrät Deutschlands bekannteste Beziehungsexpertin, was selbst für sie tabu ist, was Männer lernen müssen und warum Donald Trump niemals vernünftigen Sex hatte.

Die Wahl-Berlinerin Paula Lambert, 49, ist Autorin, Podcasterin („Paula lieben lernen“, „4 Brüste für ein Halleluja“) und Fernseh-Talkerin („Paula kommt“ auf sixx). Im Herbst beglückt die Mutter zweier Söhne (19, 16) ihre breite Fan-Community mit einem neuen Live-Programm: Das Konzept von „S@x Education“ verspricht ein unterhaltsames „Worst of“ aus dem menschlichen Sex- und Liebesleben und bietet auch dem Publikum die Möglichkeit, offen über ihre Beziehungsprobleme zu sprechen.

In deinem neuen Programm dreht sich alles um Sex, Gefühle und Beziehungen. Wie wichtig ist Sex für eine Beziehung?

Für mich persönlich ist der körperliche Austausch sehr wichtig – aber nicht wegen der Jagd nach Orgasmen. Mir geht es darum, beieinander zu sein. Klar ist aber: Alle Menschen hätten gern Sex, und wenn sie keinen haben, sind sie unzufrieden. Frauen sind hier wieder einmal die Leidtragenden des Patriarchats.

Inwiefern?

Männer haben noch nicht gelernt, genau zu sagen, wie es ihnen beim Sex eigentlich geht. Damit meine ich nicht den Akt direkt, sondern den emotionalen Austausch, der damit einhergeht. Wir alle leiden darunter, dass wir uns nicht über unsere tatsächlichen Bedürfnisse austauschen können. Sex ist ein wahnsinnig distanzierter Akt, der nicht viel mit dem zu tun hat, was wir uns erhoffen, erwünschen und erträumen.

Warum fällt es dir so leicht, über Sex zu sprechen?

Für viele Menschen ist das Thema schambesetzt. Dieser Filter fehlt in meinem Hirn scheinbar (lacht). Tatsächlich habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass nichts Schlimmes passiert, wenn ich darüber spreche. Und dieses Gefühl gebe ich meinem Publikum weiter: Ihr müsst euch für gar nichts schämen!

Für dich selbst ist auf der Bühne nichts tabu?

Was mein Partner und ich privat miteinander teilen, geht niemanden etwas an. Aber ich spreche offen über die Lehren, die ich aus meinem früheren Scheitern ziehe.

In „S@x Education“ kann das Publikum Fragen stellen.

Mir geht es darum, das Leben aller Menschen auf heitere Art zu verbessern. Der schönste Moment für mich ist, wenn die Leute den Mut finden, sich auf einer so persönlichen, so tief emotionalen Ebene zu öffnen.

Daraus ergeben sich ebenso therapeutische wie unterhaltsame Momente. Aber warum sprechen deine Fans mit dir in der Öffentlichkeit über intime Dinge, die sie privat lieber für sich behalten?

Weil man zu Menschen, die man – wie mich – aus dem Fernsehen kennt, eine gewisse Nähe verspürt. Und weil sie wissen, dass ich aufgrund meiner eigenen Kindheitsgeschichte eine vertrauenswürdige Gesprächspartnerin bin.

Deine Mutter war zum Zeitpunkt deiner Geburt drogensüchtig.

Ich bin deshalb bei Pflegeeltern aufgewachsen. Als ich fünfeinhalb war, hat mich meine leibliche Mutter entführt und in eine andere Stadt verschleppt. Ich habe meine Pflegeeltern zwei Jahre lang nicht gesehen. Das war eine traumatisierende Zeit. Ich habe aber deshalb aus eigener Erfahrung einen Zugang zu der Kacke, in der andere Menschen gerade stecken.

Dein Publikum ist großteils weiblich, auch in deinem Podcast „Paula lieben lernen“ sind männliche Gesprächspartner die Ausnahme. Woran liegt das?

Frauen trauen sich mehr, über ihre Gefühle zu sprechen. Männer fürchten immer noch, dass sie das zu Weicheiern oder Waschlappen machen würde. Um eine emotional gesunde Beziehung führen zu können, egal, ob zu einem Mann oder einer Frau, muss ich aber lernen, mit meinen Gefühlen umzugehen. Deshalb ist es total wichtig, dass möglichst viele Männer in meine Show kommen!

Es geht in diesem Punkt also weniger um das gesellschaftlich so wichtige „female empowerment“, sondern um ein „male empowerment“, also um eine Stärkung der Männer?

Wir brauchen beides. Aber vor allem brauchen wir diese Ermächtigung auf Augenhöhe – und das passiert aktuell überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wir sehen gesellschaftlich gerade eine widerliche Entwicklung. Immer mehr Menschen lassen sich in diesen rechten Sumpf hineinfallen, in dem es nur darum geht: „Was ist mit mir?“

Siehst du dich als politische Künstlerin?

Nein, aus der Politik halte ich mich heraus. Ich spreche lieber direkt mit einzelnen Menschen. Ich merke aber, dass in meinem Publikum praktisch keine Rechten sind. Die verkrümeln sich, weil sie Angst vor echter Reflexion und echten Gefühlen haben.

Und vor starken Frauen wie dir?

Natürlich. Aber auch vor wahrhaft starken Männern. Keiner der faschistischen Führer war ein starker Mann, das waren immer krakelnde Typen, die zutiefst unglücklich waren.

Was macht einen starken Mann aus?

Das gleiche, was eine starke Frau ausmacht: in einem gesunden Gleichgewicht mit der eigenen Kraft und den eigenen Gefühlen zu stehen. Du strebst nicht nach Umstürzen, wenn du emotional alle Tassen im Schrank hast.

Oscar Wilde hat gesagt: „Alles auf der Welt dreht sich im Sex. Außer Sex. Beim Sex geht es um Macht.“

Wenn du Sex abgekoppelt von Emotionen betrachtest, stimmt das. Donald Trump hatte noch nie in seinem Leben vernünftigen Sex, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Er hat gefickt, ja. Aber das ist etwas ganz anderes. Dafür brauchst du nichts als einen Penis.

Du redest und schreibst seit bald 20 Jahren über Liebe, Sex und Beziehungen – warum findest du dieses Thema immer noch so spannend?

Weil sich die persönlichen Umstände und Geschichten der Leute verändern und die Handlungen und Probleme für mich stets in einem neuen Kontext erscheinen.

Was macht ein befriedigtes Leben aus?

Zu wissen, wer man ist und knallhart danach zu leben, was man emotional braucht.

Paula Lambert gastiert mit „S@x Education – Die lustigste Gruppentherapie der Welt” am 10. November im Globe Wien. Tickets gibt es bei oeticket.

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