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Paula Lamberts neues Programm „S@x Education“ ist eine schamlose Gruppentherapie, die unser aller Leben verbessern soll. Im intimen Interview verrät Deutschlands bekannteste Beziehungsexpertin, was selbst für sie tabu ist, was Männer lernen müssen und warum Donald Trump niemals vernünftigen Sex hatte.
Die Wahl-Berlinerin Paula Lambert, 49, ist Autorin, Podcasterin („Paula lieben lernen“, „4 Brüste für ein Halleluja“) und Fernseh-Talkerin („Paula kommt“ auf sixx). Im Herbst beglückt die Mutter zweier Söhne (19, 16) ihre breite Fan-Community mit einem neuen Live-Programm: Das Konzept von „S@x Education“ verspricht ein unterhaltsames „Worst of“ aus dem menschlichen Sex- und Liebesleben und bietet auch dem Publikum die Möglichkeit, offen über ihre Beziehungsprobleme zu sprechen.
Für mich persönlich ist der körperliche Austausch sehr wichtig – aber nicht wegen der Jagd nach Orgasmen. Mir geht es darum, beieinander zu sein. Klar ist aber: Alle Menschen hätten gern Sex, und wenn sie keinen haben, sind sie unzufrieden. Frauen sind hier wieder einmal die Leidtragenden des Patriarchats.
Männer haben noch nicht gelernt, genau zu sagen, wie es ihnen beim Sex eigentlich geht. Damit meine ich nicht den Akt direkt, sondern den emotionalen Austausch, der damit einhergeht. Wir alle leiden darunter, dass wir uns nicht über unsere tatsächlichen Bedürfnisse austauschen können. Sex ist ein wahnsinnig distanzierter Akt, der nicht viel mit dem zu tun hat, was wir uns erhoffen, erwünschen und erträumen.
Für viele Menschen ist das Thema schambesetzt. Dieser Filter fehlt in meinem Hirn scheinbar (lacht). Tatsächlich habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass nichts Schlimmes passiert, wenn ich darüber spreche. Und dieses Gefühl gebe ich meinem Publikum weiter: Ihr müsst euch für gar nichts schämen!
Was mein Partner und ich privat miteinander teilen, geht niemanden etwas an. Aber ich spreche offen über die Lehren, die ich aus meinem früheren Scheitern ziehe.
Mir geht es darum, das Leben aller Menschen auf heitere Art zu verbessern. Der schönste Moment für mich ist, wenn die Leute den Mut finden, sich auf einer so persönlichen, so tief emotionalen Ebene zu öffnen.
Weil man zu Menschen, die man – wie mich – aus dem Fernsehen kennt, eine gewisse Nähe verspürt. Und weil sie wissen, dass ich aufgrund meiner eigenen Kindheitsgeschichte eine vertrauenswürdige Gesprächspartnerin bin.
Ich bin deshalb bei Pflegeeltern aufgewachsen. Als ich fünfeinhalb war, hat mich meine leibliche Mutter entführt und in eine andere Stadt verschleppt. Ich habe meine Pflegeeltern zwei Jahre lang nicht gesehen. Das war eine traumatisierende Zeit. Ich habe aber deshalb aus eigener Erfahrung einen Zugang zu der Kacke, in der andere Menschen gerade stecken.
Frauen trauen sich mehr, über ihre Gefühle zu sprechen. Männer fürchten immer noch, dass sie das zu Weicheiern oder Waschlappen machen würde. Um eine emotional gesunde Beziehung führen zu können, egal, ob zu einem Mann oder einer Frau, muss ich aber lernen, mit meinen Gefühlen umzugehen. Deshalb ist es total wichtig, dass möglichst viele Männer in meine Show kommen!
Wir brauchen beides. Aber vor allem brauchen wir diese Ermächtigung auf Augenhöhe – und das passiert aktuell überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wir sehen gesellschaftlich gerade eine widerliche Entwicklung. Immer mehr Menschen lassen sich in diesen rechten Sumpf hineinfallen, in dem es nur darum geht: „Was ist mit mir?“
Nein, aus der Politik halte ich mich heraus. Ich spreche lieber direkt mit einzelnen Menschen. Ich merke aber, dass in meinem Publikum praktisch keine Rechten sind. Die verkrümeln sich, weil sie Angst vor echter Reflexion und echten Gefühlen haben.
Natürlich. Aber auch vor wahrhaft starken Männern. Keiner der faschistischen Führer war ein starker Mann, das waren immer krakelnde Typen, die zutiefst unglücklich waren.
Das gleiche, was eine starke Frau ausmacht: in einem gesunden Gleichgewicht mit der eigenen Kraft und den eigenen Gefühlen zu stehen. Du strebst nicht nach Umstürzen, wenn du emotional alle Tassen im Schrank hast.
Wenn du Sex abgekoppelt von Emotionen betrachtest, stimmt das. Donald Trump hatte noch nie in seinem Leben vernünftigen Sex, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Er hat gefickt, ja. Aber das ist etwas ganz anderes. Dafür brauchst du nichts als einen Penis.
Weil sich die persönlichen Umstände und Geschichten der Leute verändern und die Handlungen und Probleme für mich stets in einem neuen Kontext erscheinen.
Zu wissen, wer man ist und knallhart danach zu leben, was man emotional braucht.
Paula Lambert gastiert mit „S@x Education – Die lustigste Gruppentherapie der Welt” am 10. November im Globe Wien. Tickets gibt es bei oeticket.