Bild: Izaquiel Tomé Bild: Izaquiel Tomé
Made in Austria

Roadwolf stellen in der Arena "Midnight Lightning" vor

05.04.2023 von Stefan Baumgartner

Wenn man in den frühen Neunzigern in Österreich lange Haare hatte, Patronengurt und Nietenarmbänder trug, kam man am Eisenerzer Label und Mailorder Napalm Records nicht vorbei: Ausgerechnet im malerischen grünen Herzen Österreichs hat sich eine verrückte Gestalt - Markus Riedler - gedacht, wieso nicht von hier aus die Österreicher mit Heavy Metal beschicken?

Damals gab es die Newsletter noch maschinengeschrieben per Post, und nach aufmerksamer Lektüre folgte dann ein Telefonanruf beim Karli, der nicht nur die Bestellungen entgegen nahm, sondern auch mit Rat und Tat beiseite stand - Empfehlungen aussprach oder, selten aber doch, von gewissen Käufen abriet und stattdessen bessere Alternativen vorschlug. Und so kam es nicht von ungefähr, dass nicht nur Fans auf den Mailorder, sondern auch Bands aufs Label vertrauten - viele Österreicher aus unterschiedlichen Genres haben am Anfang oder bereits am Hoch ihrer Karriere bei Napalm veröffentlicht, darunter gaben Disastrous Murmur mit ihrer sensationellen "Where the Blood for Ever Rains"-EP das Debüt von Napalm überhaupt, ebenfalls hervorzuheben sind die leider in Vergessenheit geratenen Visceral Evisceration mit "Incessant Desire for Palatable Flesh", Abigor, Heidenreich, Hellsaw, Summoning, Belphegor und auch Hollenthon. Zeitsprung 30 Jahre nach vorne: Am 19. Mai veröffentlichen Napalm Records - zwischen ihrem mittlerweile sehr internationalen Rooster - wieder einmal eine heimische Granate, nämlich mit "Midnight Lightning" das zweite Album der Niederösterreicher Roadwolf.

Es ist erst zwei Jahre her, dass Roadwolf - die übrigens bereits 2014 am weltgrößten Metalfestival überhaupt, in Wacken, louder than Hell waren - mit ihrem ersten Longplayer "Unchain the Wolf" (damals beim deutschen Label Metalizer) debütierten und mit ihrer gelungenen Mischung aus AC/DC und Raven, einer ordentlichen Portion Running Wild und Tank nicht nur Erinnerungen an graue Vorzeiten, als alles natürlich noch viel besser war, erwecken konnten, sondern dabei noch dazu zu gefallen wussten - gerade die älteren Semester sind ja durchaus über-kritisch, wenn Jungspunde das nachmachen, was die Altvorderen ohnehin schon ... blablabla. Und ja, selbst wenn wir außer Acht lassen, dass Roadwolf damit gerade in die stinkfade Corona-Zeit krachten: Ihr Mittelfinger ist auch jetzt, rückblickend gesehen, noch immer wunderbar erigiert und verströmt Nostalgie, ohne selbige aus dem verdreckten Fingernagel triefen zu lassen. Unter den zahlreichen Puristen-Combos, die im letzten Jahrzehnt mit ihren freilich ungewaschenen Kutten aus den Bergen an Bierdosen gekrochen sind, kann man Roadwolf zweifelsohne zu den besseren zählen - und das, obwohl sie 2018 den 88.6-Bandcontest für sich entschieden und man demnach vielleicht in Versuchung gerät zu ätzen, dass es sich dann ja beinahe naturgemäß um eine weichgespülte Wochenendmetaller-Combo handeln müsse. Aber zum Glück besitzt fast jeder Mensch zwei Ohren, mit denen er in Eigenregie sich selbst das Gegenteil beweisen kann.

Diesen gegenteiligen Eindruck schickt man sich an, nun mit dem zweiten Album "Midnight Lightning", das wie gesagt am 19. Mai via Napalm Records veröffentlicht wird, zu festigen. Und festigen, das tut man im Heavy Metal natürlich mit Hämmern und Amboss. "Brace yourself for an ear-shattering, face-melting experience", warnt da der Pressetext und lügt dabei nicht das Blaue vom Himmel runter, sondern blickt vielmehr mit vorausschauendem Auge auf die nahende Apokalypse, die da durch zuckende Blitze vom Horizont an uns ... heranschleicht wäre jetzt verfehlt formuliert, denn Schleichen ist Roadwolfs Sache nicht, vielmehr preschen, überrumpeln sie. Denn, und das muss auch gesagt werden: Verglichen mit dem Debüt haben sie die Lederhosen noch deutlich enger geschnallt und das Testosteron so in die Ärmel und die Stimmbänder geschossen. Mittlerweile kratzt man am Thron von gar W.A.S.P., Manowar, Judas Priest und Iron Maiden - und zwar nicht nur in Punkto Power, sondern auch in Punkto Hooklines. Ja, man versteht es auch, so erdig zu rocken, wie es Lemmy selig und Motörhead perfektioniert haben, aber ihre wahre Größe entfalten Roadwolf, wenn sich die jeweils unikalen Dynamiken der zuvorgenannten Heavy-Heroen in einem wilden, schmutzigen Koitus paaren und schließlich so große Hymnen wie das Titelstück, "Don't Deliver Us From Evil" oder auch "Mark of the Devil" gebären. Ein Metaller, der da nicht mit geballter Faust in der Luft und Bierschaum vor dem Mund vor Rührung Tränen zerdrückt, der hat kein Herz aus Stahl. Roadwolf liefern uns - so abgedroschen die Floskel auch ist - just killers, no fillers und zählen damit mit Venator aus Linz zum Besten, was zünftiger, klassischer Heavy Metal in Österreich heute bietet.

Ich wurde im Bekanntenkreis, die keine wirklichen Berühungspunkte mit Heavy Metal haben, in der Vergangenheit oft gefragt, warum ich nie Koks oder Speed probiert habe (anscheinend gehört das zur Lebenserfahrung dazu?!) - Musik wie die von Roadwolf ist der beste Grund dafür. Die entrückende, euphorisierende Kraft, die Musik wie diese ausstrahlt, ist nicht nur (gerade auf Dauer) gesünder, sondern hat auch einfach: mehr Eier.

Gemeinsam mit Boogie Hammer und Adrenaline Kings stellen Roadwolf ihr neues Album am 28. Mai in der Arena (kleine Halle) vor. Tickets gibt es bei oeticket.com.

TICKETS
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren