Bild: Mike Elliott
Nur wer’s weiß, kennt sich aus: Ein Normalverbraucher fühlt sich bei Metal-Bandlogos schnell als Analphabet.
Wer rund um eine Wahl durch Stadt und Dorf spaziert, kennt sie: die Plakatlawinen mit den mal mehr, mal weniger unsympathischen Gesichtern der Spitzenkandidat*innen. Ganzjährig auf Platz 2 folgen die schrillen, neonfarbenen Plakate für Feuerwehrfeste und Megakonzerte gleichermaßen: Ob Gabalier, Nova Rock oder Magierduo – überall springt einen dieselbe fade, serifenlose, fette Schrift an. Die Devise: Auffallen um jeden Preis. Verständlich, aber auch ein bisschen fad, oder?
Zumindest im Rock und Metal ticken die Uhren jedoch anders. Individuelle, eigenständige Logos sind heilige Ikonen – von AC/DC über Metallica bis Iron Maiden prägten sie bereits früh auch meine Schulhefte (und manchmal auch den Schreibtisch). Allerdings: So einzigartig die oft sehr kantigen Designs auch waren – zu entziffern waren die Schriftzüge immer, sogar vom Lehrpersonal, das von Heavy Metal genauso viel Ahnung hatte wie ich von Integralrechnung.
Doch je extremer die Musik wurde, desto kryptischer die Schriftzüge: Mayhem, Darkthrone, Morbid Angel – bald schon brauchte man ein geschultes Auge, so wie Oma und Opa ihre Frakturschrift noch immer flüssig lesen. Regelmäßig werde ich immer noch gefragt, wie denn die Band auf meinem Shirt nun überhaupt heiße!?
Erst kürzlich wieder, als auf Social Media eine Tour-Ankündigung die Runde machte: Am 30. Jänner kommt die Deathcore-Dampfwalze Lorna Shore samt Whitechapel, Shadow Of Intent und Humanity’s Last Breath in die Arena Nova. Ein Branchenkollege – absolut nicht Metal-sozialisiert – fragte da angesichts des Tour-Plakates: „Und wer, bitte schön, kann da den Bandnamen entziffern?“
Ganz ehrlich: Objektiv betrachtet hat er nicht Unrecht. So catchy das Plakat und das Logo auch sind, für das Kauderwelsch braucht es schon mehr als nur den Metal-Basiskurs bei Humboldt! Gerade wenn man mit 100 Sachen durch den Ortskern brettert, ist es schon dienlich, wenn da „LORNA SHORE“ in übergroßen Lettern auf einem Neon-Hintergrund prangt – aber besser schaut das Plakat doch wirklich mit dem Logo aus, oder?
Außerdem: Es gibt noch weitaus unleserlichere Logos! Und deshalb folgt jetzt meine persönliche Top-10 der totalen Logo-Katastrophen. Spoiler: Mein Kollege entziffert bereits seit Stunden.
(Hinweis: Wenn ihr auf das jeweilige Band-Logo klickt, kommt ihr zum Bandnamen mitsamt Tonprobe. Viel Spaß!)