Bild: Andrej Grilc
So radikal wie die Wienerin Marie Spaemann hat wohl noch niemand das Cello für Popmusik genutzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2019
Während ihr Album „Gap“ (2019) Kluften aufzeigte, führt die neue EP „Both“ scheinbar gegensätzliche Welten zusammen. Inspiriert von der Kreativität und Furchtlosigkeit ihrer Berliner Urgroßmutter, der verspielten Suche nach Vertrauen im Nachtnebel des Ungewissen, und der Weite der Entdeckung ihrer westafrikanischen Wurzeln schöpft sie Kraft und Hoffnung für die Begegnung mit einer immer komplizierter werdenden Welt.
Der erste Song "Soulskin" ist einerseits inspiriert durch das gleichnamige mystische Märchen erzählt von Clarissa Pinkola Estés in ihrer berühmten Sammlung "Die Wolfsfrau". Andererseits erzählt er von Marie Spaemanns Beobachtungen und persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre im gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit schwarzer oder gemischter Hautfarbe. Der Lyrik-Satz "pausing on social since research, dear do-gooder, I am pure soul" wünscht sich einen Zustand herbei, in dem die Farbe der Haut nicht mehr Grund vieler kleiner Diskriminierungen ist und auch nicht in ausgleichenden (notwendigen) Maßnahmen laut und behäbig in den Vordergrund gedrängt wird, sondern einfach nur ein Körperteil wie jedes andere ist, in dem unsere Persönlichkeit, vielleicht ja auch unsere Seele wohnt.
Am 26. September findet das Release-Konzert im Wiener Stadtsaal statt (Tickets hierfür gibt es bei oeticket.com), neben Marie Spaemann hören wir u. a. auch den fantastischen Lukas Lauermann.