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SLASH Filmfestival Special Event: The Blair Witch Project

26.07.2024 von Stefan Baumgartner

“Im Oktober 1994 verschwanden drei studentische Filmemacher im Wald in der Nähe von Burkitsville, Maryland,

während sie einen Dokumentarfilm drehten.

Ein Jahr später wurde ihr Filmmaterial gefunden.”

Mit dieser mittlerweile ikonischen Texteinführung und der ersten viralen Internet-Marketing-Kampagne überhaupt sickerte der wohl bahnbrechendste Found-Footage Horrorstreifen der Filmgeschichte in die unschuldigen Köpfe aller, die im Sommer 1999 das Kabel ihres klirrenden 56k-Modems zurück in ihre Festnetztelefone steckten und mit morbider Faszination die letzten Tage von Heather, Josh und Michael hautnah im Kino miterleben durften. 

Fingen die verwackelten Kameraaufnahmen tatsächlich einen obskuren Hexen-Mythos ein? Handelte es sich dabei um einen billigst produzierten studentischen „Prank“ oder gar um einen schockierenden “Snuff-Film”? Und überhaupt: Wie konnte dieser Amateurfilm zu einem der (im Verhältnis zum minimalen Budget) profitabelsten Hollywood-Blockbuster aller Zeiten aufsteigen? 

Legitime Fragen, die in Retrospektive nicht nur das Horrorgenre auf den Kopf stellten, sondern von einer dermaßen herzerweichenden Unschuld zeugen, dass man aufgrund unserer permanenten Reizüberflutung, globalen Konnektivität und des Weltuntergangs Bombardements nur noch folgende Worte in den Wald rufen möchte: “I WANT TO BELIEVE…IN WITCHES!”

Das SLASH feiert heuer das 25 jährige Jubiläum des Found-Footage-Horror-Urgesteins "The Blair Witch Project" (1999) mit einem einzigartigen und streng-limitierten (!!!) Open-Air Event Screening am 31. August. Das Ganze natürlich spät nachts, unter freiem Himmel und inmitten der düsteren Wälder Niederösterreichs! Busfahrt, Gruselwanderung, Snacks, Drinks und ein Goodie-Gewinnspiel inklusive. Der Ticket-VVK startet am 30. Juli um 17:00 Uhr auf StartNext.

Kleiner Hinweis: Das Event wird nur umgesetzt, sofern ausreichend Tickets verkauft werden. Nähere Infos sind ab 30. Juli auf der Startnext-Seite zu finden.

Aber auch etwas später im Jahr, zwischen 19. und 29. September - beim 15. SLASH Filmfestival - begegnen wir Heather, Josh und Michael wieder, ist das "Black Witch Project" doch auch Teil der Retrospektive, die dieses Jahr im Rahmen des SLASH Filmfestivals abgehalten wird. Dabei geht es aber nicht ausschließlich um Hexen, sondern um ein Thema, das heute brandaktueller den je ist: Fake Truths.

Nichts ist schrecklicher als die Wirklichkeit und kein Genre vermag die Grenzen zwischen ebendieser und filmischer Fiktion so gut zu kaschieren, wie der Found Footage-Film.  Das 15. SLASH zollt dieser Gattung deswegen mit der diesjährigen Retrospektive "FAKE TRUTHS" nicht nur deshalb Tribut, weil sie einige der am nachhaltigsten verstörenden Auswüchse des Horrorfachs hervorgebracht hat, sondern auch, weil sie obendrein einen Eckpfeiler des Low-, bzw. No-Budget-Kinos bildet: Verwackelte Bilder, Unschärfe und schlechter Ton sind Markenzeichen der hier vorgegaukelten Authentizität, minimale Mittel erzeugen maximales Gruseln.

Neben dem "Blair Witch Project" zeigt man etwa auch "Cannibal Holocaust" (1980): Nach Veröffentlichung seines auch heute noch schwerst verdaulichen Monumentalwerkswurde Regisseur Ruggero Deodato sowohl der Tötung von Menschen (zu Unrecht) als auch jener von Tieren (zu Recht) beschuldigt. Bis heute ist der Film in zig Ländern verboten, bei SLASH ist er samt Blut und Beuschel in voller Pracht zu erleben. (Randnotitz: Man höre sich unbedingt von der amerikanischen Band Necrophagia das musikalische Tribut an den Film an!)
Gezeigt wird auch die britische Mockumentary "Ghostwatch" von Lesley Manning, die zu Halloween 1992 im Gewand einer Live-TV-Reportage auf BBC1 ausgestrahlt wurde und dem Sender tausende Anrufe aufgebrachter Zuseher:innen, die die Inszenierung um den vermeintlichen Poltergeist Mr. Pipes für bare Münze nahmen, einheimste.
Den vermeintlichen TV-Bericht als Spielwiese wählten auch Jaume Balagueró und Paco Plaza für "[REC]" (2007), in dem eine Reporterin (Manuela Velasco ist auch im echten Leben Fernseh-Moderatorin) und ihr Kameramann eine Nacht auf der Feuerwache dokumentieren und sich bei einem Einsatz eingeschlossen in einem Haus wiederfinden, in dem ein Zombie-Virus zu grassieren scheint. Für besonders authentische Reaktionen wurde die Darsteller:innen erst beim Dreh mit Schlüssel-Schreckmomenten konfrontiert.
Zum Kultfilm mauserte sich sich die 1992 erschienene, hyperbrutale schwarze Komödie "Man Bites Dog", in der eine Filmcrew einen völlig durchgeknallten Serienmörder begleitet und zunehmend in die Komplizenschaft abdriftet. Rémy Belvaux, André Bonzel und Benoît Poelvoorde zeichneten nicht nur für Script, Regie und Produktion verantwortlich, sondern spielten auch die Hauptrollen unter ihren tatsächlichen Vornamen.
Einen der hirnverbranntesten Retro-Beiträge liefert Harmony Korine mit seinem auf VHS-Tape gedrehten "Trash Humpers" (2009). In Korines Kindheit habe es eine Gruppe älterer Personen gegeben, die ihre Zeit betrunken und tanzend in den Seitengassen und Unterführungen im Umfeld seines Hauses verbrachten: "One night I looked out my bedroom window and saw a group of them humping trash cans and laughing. It sounded like they were speaking a strange invented language. This is a movie about them."
Neben der traditionellen "Nacht der 1000 Messer" liefert heuer auch die Retrospektive einen Kino-Marathon: "Marble Hornets" ist die von Troy Wagner und Joseph DeLage zwischen 2009 und 2014 kreierte Youtube-Webserie, die von der zum Mythos gewachsenen Internet- und Gaming-Figur Slender Man inspiriert wurde. Als der Filmstudent Jay die Videotapes eines unvollendeten Projekts in die Hände bekommt, entdeckt er in den Aufnahmen übernatürliche Vorkommnisse und sucht nach Antworten. Bei SLASH sind alle drei Staffeln (Gesamtlauflänge: 538 Minuten) der bekanntesten Serie des „Slenderverse“ am Stück zu sehen.

Die weiteren Filme des SLASH werden in den kommenden Wochen verkündet, der Online-Vorverkauf für das beste Filmfestival der Welt startet am 6. September. Und DAS ist keine Fake Truth.

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