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Steht der ESC 2026 ganz im Zeichen von Falco?

15.12.2025 von Stefan Baumgartner

Noch bis 18. Dezember hat man die Möglichkeit, sich für den Kartenverkauf des 70. Eurovion Song Contests voranzumelden. Einige Länder haben aufgrund der Teilnahme Israels allerdings bereits ihre Teilnahme wiederum abgesagt. Dafür steht nun fest, welche Künstler*innen für Österreich ins Rennen gehen wollen!

Ein kleiner Rückblick: Der Österreicher JJ gewann mit seinem Song “Wasted Love” dieses Jahr den Eurovision Song Contest in Basel. Anschließend reichten zwei Städte - Wien und Innsbruck - offiziell eine Bewerbung ein, Austragungsort des ESC 2026 zu sein. Ende August gab der ORF bekannt, dass der ESC, der das Motto “United by Music” trägt, in der Wiener Stadthalle stattfinden wird. Seit Ende November kann man sich für den Kartenverkauf registrieren: Noch bis 18. Dezember läuft diese Voranmeldung, die schließlich ab 13. Jänner dann auch tatsächlich zu einem Ticketkauf berechtigt. Alle Informationen zu diesem Prozess findet ihr [an dieser Stelle].

Die letzten Wochen waren allerdings nicht geprägt von der Musik. Nachdem Israel dem Gaza-Krieg zum Trotz von der EBU eine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2026 in Wien zugestanden wurde, zogen sich nun einige Länder - Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien - von ihrer Teilnahme zurück. Und auch Vorjahressieger Nemo aus der Schweiz gab aus Protest seine Siegertrophäe zurück. Doch nun soll wieder die Musik im Fokus stehen.

Bild: ORF/Klaus Titzer

Erstmals seit 2016 wird es in Österreich nämlich einen öffentlichen Vorentscheid geben, wer unser Land kommendes Jahr beim Eurovision Song Contest vertreten wird: Die letzten Jahre wurde die Wahl intern beim Österreichischen Rundfunk getroffen. Bis 15. Oktober konnten sich interessierte Künstler*innen direkt beim ORF bewerben, aus mehreren hundert Einsendungen wurden nun die 12 Finalisten für den Vorentscheid gewählt: Im heutigen Ö3-Wecker wurden schließlich die 12 Namen bekanntgegeben, die bei “Vienna Calling - Wer singt für Österreich?” am 20. Februar um die Gunst des Publikums spielen werden. Alice Tumler und der ehemalige ESC-Teilnehmer Cesár Sampson werden “Vienna Calling” moderieren.

Von Wien über Kärnten und die Steiermark bis nach Tirol, von Pop und Rock bis Ballade, von Deutsch über Englisch bis Spanisch: Die Bandbreite der Kandidat*innen ist breit. Zwei Bands und 10 Einzelkünstler*innen rücken ihrem großen Traum, Österreich am 15. Mai beim 70. Eurovision Song Contest in Wien zu vertreten, somit einen Schritt näher. Zu den bekanntesten Namen zählen einerseits die Steirerin Anna-Sophie, die mit Songs wie “Attack Without Warning” und “Breath” einiges an Airplay vorweisen kann, als auch der Wiener Sänger Nikotin, der sich schon in seinem bisherigen Schaffen mit Exaltiertheit und Themenwahl am großen Vorbild Falco orientiert hat und somit zu einem Vorentscheid wie “Vienna Calling” wie die Faust aufs Auge passt. Besonders hervorzuheben ist auch das musikalische Multitalent Bamlak Werner, eine Kärnterin mit äthiopischen Wurzeln, die mühelos zwischen Jazz, Pop und Rock wechselt, bereits einige Tanzwettbewerbe gewonnen hat, zudem als Gesangspädagogin arbeitet - und nicht zuletzt als “Cloudhead” auf Social Media bereits eine enorme Gefolgschaft aufgebaut hat.

Alle Kandidat*innen im Detail

Anna-Sophie, 25 Jahre, Steiermark: “Superhuman” (Pop, Englisch)
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“Ich habe den Song geschrieben, weil ich mich oft sehr unsicher fühle. Ich höre dann gerne Songs, die mich motivieren und mir wieder Kraft geben. Und genau das soll der Song bewirken und zeigen, dass in jedem ein Superhuman steckt. Der ESC ist eigentlich eine riesige Party, wo es kein Richtig oder Falsch gibt. Egal, wie man sich musikalisch oder kreativ auslebt – es wird gefeiert. Und deswegen finde ich es so cool.”

Hinweis: Abseits vom ESC-Programm spielt Anna-Sophie am 9. März bei #WEARE Starke Stimmen.Starke Frauen in der Grazer Oper, sowie am 20. März im K.U.L.T. in Hof bei Salzburg und am 1. August im Wiener Rathaus. [Mehr Infos hier]

Bamlak Werner, 24 Jahre, Kärnten: “We Are Not Just One Thing” (Pop, Englisch)
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“In meinem Song geht es darum, dass man mehr ist als nur eine Sache. Er soll den Menschen das Gefühl geben, dass man wirklich sein kann, was man möchte. Das ist total wichtig in unserer Zeit. In dem Lied stecken sehr viel Liebe und ehrliche Arbeit, das möchte ich auf einer riesigen Bühne zeigen – und der ESC ist so eine unglaubliche Chance dafür.”

Cosmó, 19 Jahre, Wien: “Tanzschein” (Pop, Deutsch)
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“Ich hatte eine Erfahrung in einem Club, wo ich so excited war, endlich hinzugehen – und auf einmal tanzt keiner. Und im Song geht es darum, dass es in Clubs wieder ums Tanzen gehen soll und man nur mit einem ‚Tanzschein‘ reinkommt. Der ESC ist für mich ein großer Traum. Ich habe damals als Kind im Fernsehen gesehen, wie Conchita Wurst gewonnen hat – und dann vergangenes Jahr, wie JJ gewonnen hat. Das waren für mich Momente voller Adrenalin und Glücksgefühle.”

David Kurt, 26 Jahre, Wien: “Pockets Full of Snow” (Ballade, Englisch)
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“In meinem Song geht es um Liebe und das Gefühl, das man hat, wenn man an bedeutende Momente in seinem Leben denkt und merkt, dass man nicht in die Vergangenheit zurückkehren kann. Der ESC ist so eine riesige Show, bei der es doch einigen immer wieder gelingt, echte Emotionen zu erzeugen. Ich bin kein großer Showman, aber dass das Publikum etwas spürt und echte Ehrlichkeit im Raum ist – das will ich mit meinem Song erreichen.”

Frevd, Wien: “Riddle” (Rock, Englisch)
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“Wir setzen uns künstlerisch mit der Gedankenwelt von Sigmund Freud auseinander. Unsere Musik liegt zwischen Realität und Traum und soll die Menschen dazu bewegen, sich selbst zu reflektieren. Im Song geht es um einen Menschen, der mit schweren Entscheidungen und Orientierungslosigkeit konfrontiert ist und Hilfe sucht, um aus diesem Labyrinth hinauszufinden. Der ESC ist für uns die größte Bühne der Welt, wo unterschiedliche Kulturen und Menschen zusammenkommen und sich gemeinsam an den Tiefen und Untiefen des Lebens erfreuen.”

Hinweis: Frevd ist weder zu verwechseln mit der Wiener Pop-Band Freud, noch mit dem Wiener Indie-Musiker Freude.

Julia Steen, 23 Jahre, Kärnten: “Julia” (Pop, Deutsch)
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“Mein Song ist eine Hommage daran, im Leben Empowerment und Stärke zu zeigen. Ich möchte damit dazu ermutigen, dass der Weg, den man geht, der richtige ist, und den Menschen die Stärke mitgeben, alles schaffen zu können, wenn sie es wirklich möchten. Ich möchte zum ESC, weil ich glaube, dass Musik und dieses Feeling über Sprachbarrieren und Ländergrenzen verbinden. Das ist die oberste Priorität beim ESC.”

Kayla Krystin, 31 Jahre, Tirol: “I brenn” (Austro-Pop, Deutsch)
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“Im Song geht es um meinen Weg vom Schatten und Selbstzweifel zum Wiederaufstehen und innerer Stärke. Ich singe im Dialekt, weil ich die Menschen berühren und erreichen will. Für mich war es immer schon ein Traum, beim ESC dabei zu sein. Man hat die Möglichkeit, so viele Menschen zu erreichen und zu berühren – das ist mir extrem wichtig.”

Lena Schaur, 22 Jahre, Tirol: “Painted Reality” (Pop, Englisch)
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“In meinem Song geht es um das Streben nach Perfektionismus und darum, sich für andere verstellen zu wollen oder zu müssen. Ein Thema, das mich selber schon lange beschäftigt und vor allem in der heutigen Zeit mit Social Media so präsent ist. Ich möchte gerne zum ESC, weil ich sehr fasziniert davon bin. Ich sehe es auch nicht als Competition, ich will auf dieser Bühne stehen und den Zusammenhalt und die Vielseitigkeit feiern.”

Nikotin, Ende 20/Anfang 30, Wien: “Unsterblich” (Pop, Deutsch)
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“In meinem Song geht um die Dualität von Himmel und Hölle und darum, niemals sterben zu wollen. Man könnte sagen, es ist eine moderne Frankenstein-Geschichte oder die Suche des Ewigen. Der ESC ist das größte Musik-Event der ganzen Welt, wo Länder zusammenkommen, um in Frieden und Harmonie Zeit zu verbringen und Kunst auszutauschen.”

Philip Piller, 30 Jahre, Wien: “Das Leben ist Kunst” (Pop, Deutsch)
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“Meine musikalische Karriere hängt mit der Diskrepanz zusammen, die bei der eigenen Reflexion oft in einem entsteht. Dass es darum geht, beides in sich zu tragen – das Leid und das Schöne. Und darum, wie wichtig das ist, um daran zu wachsen. ‚Das Leben ist Kunst‘ klingt so universal wahr und ist für mich ein gutes Motto. Ich finde den ESC so nice, weil man eine gewisse Narrenfreiheit hat und sich Mut oft auszahlt. Und noch dazu ist es eine der größten Bühnen der Welt.”

Reverend Stomp, Wien: “Mescalero Ranger” (Pop, Englisch)
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“Im Song geht es um eine neue Welt und den Abschied. Es geht darum, sich bei einem Persönlichkeitswandel mit Dingen abzufinden, die ich von früher in mir habe, und bereit dafür zu sein, einen neuen Weg zu gehen. Die große ESC-Bühne wäre eine richtige Herausforderung für uns, der wir uns gerne stellen würden. Es wäre für uns etwas ganz Neues.”

Tamara Flores, 28 Jahre, Wien: “Chingona” (Latin Pop, Spanisch/Deutsch)
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“Der Song hat die Message, dass man gut ist, so wie man ist – solange man ehrlich zu sich selbst ist und seinen Weg geht, egal welche Meinungen vielleicht von außen kommen. Ich singe auf Spanisch und Deutsch, weil ich mit beiden Sprachen aufgewachsen bin und es mag sie zu kombinieren, weil sie so unglaublich unterschiedlich sind. Der ESC bedeutet für mich ein Zusammentreffen von vielen unterschiedlichen Menschen, die gemeinsam die Musik feiern.”

Korrektur vom 18. Dezember

Latinpop-Sängerin Tamara Flores zieht mit heutigem Tag überraschend zurück - “aus persönlichen Gründen”, wie es heißt. Neu im Rennen: Der Wiener Sidrit Vokshi (35) mit seiner emotionalen Pop-Ballade “Wenn ich rauche”. In “Wenn ich rauche” erzählt Vokshi von einem Mann, der unter großem Liebeskummer leidet und sich Nacht für Nacht in Bars verliert. Doch sobald er allein ist, brechen die Wunden wieder auf. Emotional, ehrlich - und genau das will er auf die ESC-Bühne bringen.

So geht es weiter

Am 20. Februar werden sich die genannten Künstler*innen auf ORF1 präsentieren und einem Publikumsvoting stellen - der/die Gewinner*in wird dann direkt ins Finale des ESC 2026 am 16. Mai rauschen.

Nach der Absage von fünf Ländern (s. o.) werden dafür aber Bulgarien, die Republik Moldau und Rumänien als Rückkehrer das Teilnehmerfeld der kommenden Jubiläumsausgabe bereichern, es treten somit an: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Australien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Israel, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Republik, Moldau, Montenegro, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Tschechien, Ukraine und Zypern. Das sind zwar so wenige Länder, wie seit 2003 nicht mehr - aber es könnte dafür noch sein, dass Kasachstan und Kanada, die beide Interesse bekundet hatten, noch zu einem späteren Zeitpunkt als Teilnehmer bekanntgegeben werden.

Ohne Teilnahme am Halbfinale (12. und 14. Mai) sind bereits für das Finale qualifiziert: Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich. Wer für unseren deutschen Nachbarn antritt, das erfahren wir übrigens am 28. Februar bei der Show “Das Deutsche Finale 2026”.

Update vom 16. Dezember: Die ESC-Bühne

Bild: eurovision.com

Am Morgen des 16. Dezember wurde noch eine Neuigkeit nachgeschossen: Das Design der ESC-Bühne für die Wiener Stadthalle! Der erste Eindruck verspricht eine eindrucksvolle Bühne, die im Kern dem Design aus dem Jahre 2015 ähnelt, weil erneut die geschwungene Form zum Einsatz kommt. Warum sie der Bühne von 2015 ähnelt? Nun, es zeichnet erneut Florian Wieder für das Design verantwortlich: Er hat auch schon für so Superstars wie Beyoncé, Robbie Williams, U2, Ed Sheeran und Adele gearbeitet!

Der kreative Geist der Wiener Secession steht im Zentrum des Bühnenbildkonzepts. Wie einst diese Kunstbewegung, will auch die ORF-Produktion bewusst mit Konventionen brechen und neue Formen zulassen. Es geht um Mut zur Erneuerung, Offenheit für radikale Kreativität und eine neue gestalterische Freiheit.

Im Zentrum der Bühne steht eine gebogene LED-Fläche in Form eines weißen Blattes, das für Neubeginn und gemeinsame Gestaltung stehen soll: "Europa schreibt darauf seine Melodie der Vielfalt." Generell gibt es drei gestalterische Leitmotive:

  • Das bereits angesprochene Blatt als Symbol für Ursprung und Potenzial steht für Neuanfänge und gemeinsames Gestalten.
  • Die geschwungene Linie ist ein Ausdruck von Resonanz, Entwicklung und musikalischer Bewegung und soll Verbundenheit, Emotion und Wiener Charme verkörpern.
  • Die Konstruktion selbst ist eine goldene Struktur, die Kunst und Funktionalität verbindet, Ordnung schafft und die künstlerische Vision unterstützt. 

Übrigens: Für das musikalische Thema des kommenden ESC werden Dorothee Freiberger und Martin Gellner verantwortlich zeichnen, die auf “Die Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart zurückgreifen werden. Interpretiert wird das Stück vom ORF Radio-Symphonieorchester Wien.


Live-Termine


Eurovision Song Contest

12. bis 16. Mai 2026 | Wien, Wiener Stadthalle D


Infos auf dem Stand vom 15.12.2025  

Tickets Eurovision Song Contest
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