Bild: Marko Mestrovic
Noch bevor die junge Oberösterreicherin Uche Yara auch nur einen einzigen Song veröffentlicht hatte, stand sie schon vor Größen wie Rolling Stones und mit Bilderbuch auf der Bühne. In Folge spielte sie große Festivals in ganz Europa, die Präsentation ihrer Debüt-EP „Golden Days” im renommierten Porgy & Bess im Mai war restlos ausverkauft. Nun dürfen wir die experimentelle Multiinstrumentalistin am kommenden LIDO SOUNDS abfeiern.
Ich komme ursprünglich aus Oberösterreich. 2021 habe ich am Pop Borg in Linz maturiert. Christoph Kregl, der Manager von Bilderbuch, hat auch diese Schule absolviert. Ein Lehrer hat meine Demos an Christoph weitergeleitet. Wir haben schnell entschieden, dass wir zusammenarbeiten wollen. Im Jahr nach der Matura bin ich nach Berlin gezogen und es ist losgegangen.
Ich war zuerst in einer klassischen Bubble unterwegs und habe Schlagwerk in Kammermusikensembles gespielt. Mein Percussionlehrer Markus Lindner hat mir viel beigebracht. Meine Eltern lieben Musik, spielen aber keine Instrumente. Sie haben keinen Druck auf mich ausgeübt, dafür wurde ich mit guter Musik genährt. Mein Papa ist ein großer David Bowie-Fan und hört auch viel Psychedelic Rock.
Das war schon früh da. Ich habe kleine Stücke für Marimba und Percussion komponiert. Das Songschreiben begann in der Schule mit ungefähr 16. Im ersten Lockdown habe ich dann richtig angefangen, mir hat Corona da ein bisschen in die Karten gespielt. Noch dazu konnte ich am Land immer laut sein und Schlagzeug spielen, wann ich wollte.
Als ich im Herbst 2021 herkam, war wieder Lockdown. Dadurch hat Berlin geschlafen. Das hat den Clash abgemildert. Die Stadt ist erst im Frühling wieder aufgetaut. Ich hatte einen sanften Einstieg.
Auf jeden Fall. Meine Musik ist nicht trendy, auf eine gewisse Art ist sie sogar sperrig. Die Tour mit Bilderbuch war eine super Chance, um mich mal live auszuprobieren. Die Leute waren zu der Zeit ausgehungert. Sie wollten wieder echte Personen auf Bühnen anschauen. Es hat sich richtig angefühlt.
Das frage ich mich selber. Man kann nichts vorhersehen, jede Show ist anders. Teilweise springt der Funke sofort über. Manchmal ist es auch ein einsamer Kampf, man gibt so viel und bekommt fast nichts zurück. Aber bisher habe ich nie erlebt, dass das Publikum gar nicht aufgetaut ist. Es passiert immer früher oder später.
In London habe ich mir gedacht, da wird die Post abgehen, das Publikum waren aber eher zurückhaltend, fast schüchtern. Auf einem Festival in Frankreich war es überraschend wild. Das Wiener Publikum braucht erst einen kleinen Schubser, bis es mal loslässt. Aber grundsätzlich ist eine Bühne eine Bühne, egal ob in Tokio oder in Linz.
Ja. Am Anfang war ich voll verkrampft, weil ich mich so auf die erste Idee versteift habe. Jetzt habe ich mich locker gemacht und nehme gerne Umwege in Kauf. Da passieren wertvolle Dinge. Meistens klingt das Resultat aber schon sehr ähnlich, wie ich es mir zuerst gedacht habe.
Noch ziemlich am Anfang. Ich bin gerade extrem auf der Suche nach dem richtigen Sound. Ich will eine radikale Kombination von Musik aus verschiedenen Ecken. Zum Beispiel: Elektronik von jetzt mit Neunziger Grunge. Ich suche etwas, was man noch nicht gehört hat.
Ich weiß. Dass ich so gerne Stile mische und nicht einzuordnen bin, ist zum einen keine bewusste Entscheidung. Ich strebe aber schon danach, nicht mit dem Trend zu gehen. Ich will kein Sternchen sein, das irgendwann verglüht, sondern eine nachhaltige Musikerin. Am Anfang habe ich mir ja gedacht, ich muss klingen wie Artist X oder Y. Aber es geht nicht darum, sich anzubiedern. Junge Artists sind sehr unsicher. Wenn einem jemand falsche Ratschläge erteilt, kann viel kaputt gemacht werden. Ich habe mit meinem Umfeld viel Glück. Das hat mich angespornt, einfach so weiterzumachen.
Voll. Mir haben schon öfter Leute gesagt, dass sie von meiner Show überfordert waren, weil sie nirgends reinpasst. Die wollen so dringend Schubladen. Als Musikhörerin will ich das ja auch. Aber als Musikerin kann ich es zumindest jetzt nicht bieten. Fürs Erste möchte ich mich in viele verschiedene Richtungen ausprobieren.
Mich als Künstlerin zu etablieren. Es klingt komisch, aber die Bezeichnung Sängerin empfinde ich teilweise als beleidigend, weil auch die ganze Musik und die Produktion von mir stammen. Außerdem bin ich auch visuell sehr interessiert. Künstlerin ist ein schöner Oberbegriff.
Nein. Für mich, meine Eltern und die Freunde war immer schon sonnenklar, dass es bei mir die Musik wird. Wenn ich es nicht jetzt professionell mache, dann nie. Zum Glück bekomme ich ganz viel Unterstützung. Weil ich so drinnen stecke, merke ich selber teilweise gar nicht, was für tolle Sachen mir in so kurzer Zeit passiert sind, wo ich bereits überall auftreten konnte. Aber ich nehme es nicht als selbstverständlich an und bin sehr dankbar.
Uche Yara kommt aus Oberösterreich, lebt mittlerweile in Berlin. Sie debütierte 2023 mit ihrer Single „www she hot”, schoss 2024 ihre erste EP „Golden Days” nach und arbeitet aktuell an ihrem ersten vollen Album. Scheinbar nebenher spielte sie bereits auf so renommierten Festivals wie dem Eurosonic, Europavox, Ment, Popfest, Reeperbahn Festival, Poolbar und Impulstanz. Diesen Herbst spielt sie noch am Iceland Airwaves, bevor sie 2025 das LIDO SOUNDS bereichern wird.
Heute Nacht hat Uche Yara drei neue Songs veröffentlicht. Hört sie euch gleich hier an -->