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Made in Austria

Zwischen Amadeus und Eurovision Song Contest: die ALIVE-Serie

26.01.2026 von Stefan Baumgartner

Selten war heimische Popmusik gleichzeitig so sichtbar, so diskutiert und so selbstbewusst wie in diesem Jahr: Nicht nur, dass erneut im März im Rahmen der Amadeus Austrian Music Awards die österreichische Musikszene ausgezeichnet wird, auch beim Eurovision Song Contest wird sich Österreich im Mai von seiner besten Seite zeigen. Zudem rückt die renommierte ALIVE-Serie erneut österreichische Künstler*innen in den Fokus: Diesmal Everyone's Darling und Pure Chlorine.

Bereits seit 2012 findet in unregelmäßigen Abständen die Konzertreihe ALIVE statt, Konzerte, die ausschließlich österreichischen Künstler*innen eine Bühne bieten: Von Christina Kosik bis Velvet Wasted, von Dua Plicity bis Dives, von Schwanara bis Gnackwatschn und von Julia Steen bis Farewell Dear Ghost standen da in der Vergangenheit bereits Bands auf der Bühne, die, so unterschiedlich sie alle auch klingen mögen, zeigten, dass sich heimische Musik selbst vor einem international geschulten Ohr nicht verstecken muss. Es ist dies eine Konzertserie, die österreichische Bands aus - im besten Fall - dem Vorprogramm internationaler Artists ins Rampenlicht holt, sie vom Support-Status in den Mittelpunkt rückt und ihnen somit die Aufmerksamkeit verleiht, die sie allesamt verdient haben.

Denn auch abseits vom Branchen-Event der Amadeus Austrian Music Awards, die alljährlich heimische Künstler*innen auszeichnen, und des Eurovision Song Contests, der im Mai in der Wiener Stadthalle über die Bühne geht, darf man sich jederzeit in Erinnerung rufen, dass Österreich mehr als nur Falco, Wanda und Bilderbuch zu bieten hat. Nämlich etwa Everyone's Darling und Pure Chlorine, die am 26. März im Wiener Chelsea auf der Bühne stehen werden.

Für das Glam-Punk-Quintett Everyone's Darling darf man zweifelsohne den Begriff “Supergroup” bemühen: Allen voran steht der mittlerweile in Wien lebende, amerikanische Musicaldarsteller Drew Sarich, der zuletzt nicht nur als Solist im Rahmen der “40 Jahre Rock Me Amadeus”-Tour zu Ehren von Falco in Erscheinung getreten ist, sondern auch bereits so prestigeträchtige Rollen wie den Judas in “Jesus Christ Superstar”, George Berger in “Hair”, den Quasimodo in “Der Glöckner von Notre Dame” und den Grafen von Krolock in “Tanz der Vampire” sang. Mit Rollen in “The Who's Tommy” 2002 in Amstetten und im Rahmen von “Classic Quadrophenia - The Who” 2015 im Wiener Konzerthaus hat er seine Nähe zur Rockmusik bereits ebenfalls eindrucksvoll bewiesen.

Ihm zur Seite stehen mit Engel Mayr und Mario Stübler zwei Mitglieder der Dienstag Nacht Kapelle von “Willkommen Österreich”, sowie Peter Schönbauer aus der Band von Julian Le Play und Live-Bassist von Kruder & Dorfmeister, und Martin Gutmann von L’Âme Immortelle.

Zusammen kredenzen Everyone's Darling ein Revival jener ungebändigten Energie, die etwa Manic Street Preachers, Backyard Babies oder Turbonegro populär gemacht haben, und schlagen gleichzeitig die Brücke zu Alice Cooper oder gar W.A.S.P.: Dass dieses knackige Potpourri zwischen Hedonismus und Tanzfläche, zwischen Glitzer und Glitter, zwischen Theatralik und Trash funktioniert, davon konnte man sich zuletzt etwa im Vorprogramm der Bloodsucking Zombies From Outer Space bereits überzeugen. Auch wenn Everyone's Darling zuvörderst Spaß machen, ist das weit mehr als nur ein Gag-Projekt, sondern vielmehr eine selbst international ernstzunehmende Band mit Ambition.

Pure Chlorine haben nicht nur schon mehrfach im Rahmen von ALIVE gespielt, sondern standen auch am Waves und zuletzt am renommierten Reeperbahn Festival in Hamburg auf der Bühne: Kein Wunder, haben wir bereits vor gut fünf Jahren, zu Beginn ihrer Karriere, Vergleiche zu einer gitarrenbetonten Version von Billie Eilish gezogen.

Zwar hat sich Claudia Bruckner, die Pure Chlorine voransteht, von diesem Bezug bereits mehr als etabliert, allerdings stehen konsequent Wut, Depression und negative Lebenserfahrungen in einer toxischen Umwelt bei ihr weiterhin im Fokus - und wie sich eben diese widrigen Lebensumstände in Empowerment verwandeln lassen, wie man seine eigene mentale Gesundheit ins Lot bringt. Auf diese “fuck you”-Attitüde, die in ihrer offenen Verletzlichkeit zuvörderst Stärke zeigt, treffen elektronische Beats und schwere Gitarren - laut, wütend und ungefiltert spiegelt Pure Chlorine die Emotionen der Generation Z wider. Doch bei all dieser thematischen Schwere zeigen Pure Chlorine letztlich nicht nur, dass ein Überlebenskampf entstigmatisiert werden muss, sondern dass nach Dunkel zumeist auch Licht folgt: Atmet ihre Musik doch auch eine schiere, ungebändigte Lebensfreude - zuletzt etwa auf ihrer trefflich beschriebenen EP “Twelve Step Program”.

Das, was Pure Chlorine zelebrieren, ist Popmusik mit Mittelfinger - noch dazu mit einem Timbre, das auch vom Wiedererkennungswert lebt: Gerade im glattgebügelten Streaming-Zeitalter ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass eine Band zuvörderst mit einer Menschlichkeit und daraus resultierenden Imperfektion und Ungeschliffenheit brilliert.


Live-Termine


Alive mit Everyone's Darling und Pure Chlorine

26. März 2026 | Wien, Chelsea


Infos auf dem Stand vom 26.01.2026  

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