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Black Metal-Geschichte zerstört: Brand im Neseblod

11.04.2024 von Stefan Baumgartner

Als ich vor gut 10 Jahren gemeinsam mit meinem Kollegen Robert Fröwein Norwegen besuchte, stand als erster Programmpunkt ein Besuch bei Neseblod an: Neseblod ist ein Plattenladen in Oslo, mit Schwerpunkt auf Black- und Death Metal. Allerdings ist Neseblod noch viel mehr: In denselben Räumlichkeiten befand sich in den frühen Neunzigern der Plattenladen Helvete, der von Euronymous geführt wurde – seines Zeichens auch Gitarrist von Mayhem, bevor ihn Varg Vikernes von Burzum im Zuge eines Streits in dessen Wohnung mit 23 Messerstichen tötete. Helvete (auch zu sehen im Biopic „Lords of Chaos“ von Jonas Akerlund) war damals der Szene-Treffpunkt – und der Geist der Frühzeiten der norwegischen Metalszene schwelte immer noch in den Räumen: Über zwei Stockwerke verteilt drängen sich nicht nur dicht an dicht Platten, CDs, Kassetten, T-Shirts und zahlreiche Memorabilia, die käuflich zu erwerben sind, außerdem sind die Wände gepflastert mit unverkäuflichen Sammlerstücken, etwa alte Konzertplakate legendärer Konzerte, Erstpressungen wichtiger Genre-Veröffentlichungen oder gestiftete Besitztümer von etwa Fenriz von Darkthrone oder eben Euronymous von Mayhem. Zudem kann man im Keller die Räumlichkeiten besuchen, die Mayhem samt Entourage damals als „Chillout-Lounge“ diente.

Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass ich als Fan damals ordentlich einkaufte (und gut Geld liegen ließ) – einzig ein von mir begehrtes Stück musste ich leider liegen lassen: Die Erstauflage von Mayhems „Deathcrush“, in rosa Fehlpressung und signiert von allen Bandmitgliedern. Als ich jene Platte – stolz, meine Sammlerleidenschaft befriedigt zu haben – zur Kasse tragen wollte, bekam ich von Kollegen Fröwein einen Rüpel und den dezenten Hinweis, dass ich wohl völlig verblödet sei, würde ich für eine Platte tatsächlich mehrere Tausend Euro hinlegen wollen. Eigentlich wollte ich dies durchaus mit vollstem Bewusstsein, doch nach langem hin und her ließ ich mich doch breitschlagen und die Platte liegen.

Was Kollege Fröwein nicht weiß, aber in seinem vifen Geist vermutlich durchaus ahnt: Seitdem habe ich bei meinen regelmäßigen Besuchen immer wieder teuren Scheiß gekauft, der mich glücklich macht – „Deathcrush“ allerdings leider nach wie vor nicht.

Doch nun ist leider Dienstag Nacht vieles von dem, was ich bereits mehrfach bewundern und bestaunen konnte, zerstört worden, als in den Kellerräumen des Ladens ein Feuer ausbrach – böse Zungen mögen „Karma!“ unken, haben doch zahlreiche norwegische Musiker in den frühen Neunzigern für mehrere Kirchenverbrennungen in Norwegen für Titelseite-Schlagzeilen gesorgt.

Noch ist unklar, wie es zum Brand kam – eine Brandstiftung ist jedoch auszuschließen. Vermutlich haben sich bei einer Steckdose im Keller Funken gebildet, die auf die dicht an dicht gehängten T-Shirts übergesprungen sind und so zu einem verheerenden Brand geführt haben. „Glück im Unglück“: Die wahren Schätze, die Ausstellungsstücke besonderer Natur befanden sich zuvörderst im oberen Stock, wurden also vom Brand nur minimal beschädigt – allerdings kann sich ein jeder denken, dass durch die Rauchentwicklung und die Löscharbeiten vieles, was wahre Musikgeschichte ist, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Mittlerweile wurde eine Spendenseite eingerichtet, um den heutigen Besitzern dabei zu helfen, ihr Museum wieder auf Vordermann zu bringen.

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