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Kabarett & Comedy

Dass Stand-up die "ehrlichste Kunstform" ist, beweist Michael Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club

18.09.2026 von Hannes Kropik

Michael Mittermeiers Lucky Punch Comedy Club in der Wiener Innenstadt wächst: mit einem zusätzlichen Spieltag pro Woche und drei Hosts, die auch regelmäßig selbst als Comedians ins Rampenlicht treten. Wir haben Marina Pesevski, Lorenz Hinterberger und Sebastian Haring zum gemeinsamen Talk getroffen und wissen jetzt: Für den Chef dürfen gern eigene Regeln gelten.

Im April 2026 eröffnete der bayerische Comedian Michael Mittermeier gemeinsam mit seiner Ehefrau Gudrun in Wien den Lucky Punch Comedy Club – als Ergänzung zu seinem gleichnamigen Stand-up-Hotspot in München. Drei junge Comedians führen auf der Kellerbühne unter dem Café Prückel (1010 Wien, Biberstraße 2) abwechselnd durch die Abende mit überraschendem Line-up und regelmäßig selbst als Performer ins Rampenlicht. Wir trafen Lorenz “Lo” Hinterberger (32), Marina Pesevski (31) und Sebastian Haring (32) zum gemeinsamen Gespräch über die Faszination Stand-up und wie sie “der Chef” am Weg zur großen Karriere unterstützt.

Ab Oktober wird der Lucky Punch Comedy Club von drei auf vier Tage pro Woche erweitert; die Open-Mic-Night rückt auf den Mittwoch vor, die Mixed-Shows gibt es nun am Donnerstag, Freitag und Samstag. Warum kommen diese Abende in Wien so gut an?

Lorenz Hinterberger: Weil es dieses Format sonst nicht gibt: Fünf bis acht junge Stand-up-Comedians ballern in kurzen Sets mit hoher Frequenz ihre besten Sachen raus. 

Marina Pesevski: Abgesehen davon, dass die Location hier im 1. Bezirk supergeil ist: Die Mischung der Acts garantiert, dass für jede Zuschauerin, jeden Zuschauer etwas dabei ist – egal, ob es sich um große Namen handelt, also renommierte Künstlerinnen und Künstler, die neues Material ausprobieren wollen, oder Newcomer, die sich beweisen wollen.

Sebastian Haring: Gerade für Newcomer ist der Lucky Punch Comedy Club eine riesige Chance. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, wo du vielleicht das erste Mal auftrittst und gleich 7 Minuten Zeit hast, das Publikum für dich zu gewinnen.

Erklärt doch bitte kurz den Unterschied zwischen Open-Mic und Mixed-Show.

Lorenz Hinterberger: Bei den Open-Mics bekommen acht Comedians je sieben Minuten Zeit. Das ist eine Art Sprungbrett zu den Mixed-Shows, weil hier Leute tatsächlich oft zum ersten Mal auf einer Kabarett- oder Comedy-Bühne stehen. Bei Mixed-Shows stellen wir das Programm bewusst aus Leuten zusammen, die wir schon besser kennen. Und da bekommen die Opener und die Closer, also die Leute, die als erste beziehungsweise als letzte spielen, mehr Zeit. Das sind dann aber meist erfahrenere Acts. Wie zum Beispiel der Chef: Wenn Michael Mittermeier in der Stadt ist, spielt und improvisiert er auch gern ein bisserl länger als die geplanten 10 bis 15 Minuten (lacht)

Das heißt: Bei den Open-Mics kann wirklich jeder und jede mitmachen?

Lorenz Hinterberger: Ja. Wenn du dich über unsere Social-Media-Kanäle bewirbst, checken wir deine YouTube- oder Instagram-Auftritte. Und wenn das passt, bist du dabei.

Marina Pesevski: Manchmal reicht aber schon Mundpropaganda. Wenn ein paar Leute, denen wir vertrauen, sagen, dass der oder die passt, dann kriegen die auch so einen Platz in einer Mixed-Show. 

Sebastian Haring: Es hat sich mittlerweile ein gutes Netzwerk mit anderen Comedy-Clubs im gesamten deutschsprachigen Raum entwickelt, nicht zuletzt mit dem Lucky Punch Comedy Club in München (Anm.: den Michael Mittermeier schon 2023 eröffnet hat). Und da gibt es einen regen Austausch.

Marina Pesevski: Von dem wir alle profitieren. Du lernst immer wieder neue Leute kennen, und man versucht, sich gegenseitig weiterzuhelfen.

Lorenz, weil du den “Chef” angesprochen hast: Wie unterstützt euch Michael Mittermeier? Und was können gerade junge Comedians wie ihr von so einer Legende lernen?

Lorenz Hinterberger: Er ist nicht nur eine Comedy-Instanz mit riesiger Kompetenz, sondern auch menschlich ein riesiges Vorbild. Und was seine Arbeitsethik angeht, können wir uns sowieso wahnsinnig viel von ihm abschauen. Er hat noch so viel Spaß bei der Arbeit und ist immer bereit, sich selbst zu fordern und was Neues auszuprobieren.

Marina Pesevski: Er ist schon so lang dabei – und als Künstler weiterhin unglaublich relevant. Weil er eben nicht auf Nummer sicher geht und seit 20 Jahren das gleiche spielt, sondern sich weiterhin mit neuen Themen beschäftigt.

Sebastian Haring: Und wir sehen ganz deutlich, dass ihm die Nachwuchsarbeit extrem wichtig ist.

Lorenz Hinterberger: Ja, er müsste sich diese Arbeit ja nicht antun. Aber dass er uns die Möglichkeit gibt, hier regelmäßig auftreten zu können, das werden wir ihm nie vergessen!

Sebastian Haring: Was mich fasziniert: Wenn er hier ist, wie etwa im Frühjahr zu Eröffnung, dann sitzt er trotz all der Ehrengäste lieber bei den Comedians. Man spürt, dass er sich gern mit uns austauscht.

Marina Pesevski: Ich habe das Gefühl, dass er selbst mit seinen 60 Jahren immer noch gut nachvollziehen kann, was uns junge Comedians bewegt.

Sebastian Haring: Aus diesem Verständnis heraus kann er uns natürlich sehr gut Feedback geben. Wobei – und das schätze ich ganz besonders: Er drängt dir sein Feedback nicht auf. Er ist unaufdringlich, unglaublich wertschätzend und dabei absolut ehrlich in seiner Kritik.

Lorenz Hinterberger: Ihm fallen einfach Dinge auf, die sonst niemand sieht und kann es dir so erklären, dass du es annehmen kannst. Mir hat er einmal den wahrscheinlich wichtigsten Tipp für Comedians überhaupt mitgegeben: “Leg dein Herz auf die Bühne!”

Wie seid ihr eigentlich selbst zur Stand-up-Comedy gekommen?

Lorenz Hinterberger: Ich habe als Lehrer für Sport und Geschichte gearbeitet und war in einer Punkband namens TACO. Bei meinen ersten Comedy-Auftritten habe ich noch Gitarre gespielt und gesungen, so ein bisschen auf österreichische Tenacious D – bis ich irgendwann die Gitarre weggelassen und gemerkt habe, dass das auch sehr lustig ist. Vor zwei Jahren hab' ich den Job an den Nagel gehängt und alles auf die Comedy-Karte gesetzt. 

Sebastian Haring: Ich habe auf der Wirtschaftsuni eine Management-Ausbildung absolviert, wollte aber dann nicht als Unternehmensberater dauernd in irgendwelchen Zoom-Meetings sitzen. Ich habe schon als Kind Schultheater gespielt. Und als ich als Jugendlicher zum ersten Mal eine CD von Josef Hader gehört habe, wusste ich: Genau das möchte ich eines Tages machen!

Marina Pesevski: Nach meiner Ausbildung zur lateinamerikanischen Showtänzerin habe ich als Tanzlehrerin und nebenbei halbtags in einem Büro gearbeitet. Außerdem tanze ich regelmäßig in Produktionen der Volksoper. Zur Comedy bin ich eher zufällig gekommen: Ich war vor drei Jahren bei einem Open-Mic und habe gesehen, wie so Newcomer massiv scheitern – und habe mir gedacht: “Das will ich auch …” 

Lorenz Hinterberger: Du wolltest auch scheitern?

Marina Pesevski: Klar, das kann doch superlustig sein!

Was fasziniert euch so an Stand-up-Comedy?

Lorenz Hinterberger: Für mich ist Stand-up einfach die ehrlichste Kunstform, jedes Wort, jede Gestik, jede Mimik liegt auf der Goldwaage; nirgends bekommst du vom Publikum so ein direktes Feedback!

Marina Pesevski: Als Tänzerin spüre ich immer eine unsichtbare Barriere zwischen mir und dem Publikum. Beim Stand-up bin ich zwar diejenige mit dem Mikrofon in der Hand, aber trotzdem arbeiten wir ganz eng mit den Zuschauerinnen und Zuschauern zusammen. So ein Auftritt funktioniert nur gemeinsam.

Sebastian Haring: Und dadurch, dass wir das Publikum so stark miteinbeziehen, ist jeder Abend komplett anders.

Ihr drei führt abwechselnd als Hosts durch die Abende und steht außerdem immer wieder selbst als Comedians auf der Bühne. Aber stellt euch doch bitte einmal gegenseitig vor.

Sebastian Haring: Weil wir vorhin schon über Arbeitsethik von Michael Mittermeier gesprochen haben: Der Lo ist ebenfalls ein richtiger Gasgeber! Wenn ich mir anschaue, wie aktiv er nicht nur bei seinen Auftritten, sondern auch mit seinen Reels auf Instagram ist, denk' ich mir jedes Mal: “Ich muss meinen Arsch hochkriegen und mehr machen!”

Und sein Schmäh?

Sebastian Haring: Lo ist auf der Bühne hundertprozentig präsent. Er spielt wahnsinnig gut mit dem Publikum und schreckt vor keiner Absurdität zurück.

Und was sagst du über Marina?

Sebastian Haring: Das Schöne ist, dass wir nebeneinander wachsen, und ich sehen kann, wie groß ihre Fortschritte in den vergangenen drei Jahren waren. Sie geht mit einer großen Portion Unverfrorenheit auf die Bühne und hat einen herrlich dunklen, düsteren Humor. Aber sie spricht selbst die makabersten Themen so an, dass sich die Leute trotzdem zu lachen trauen.

Lorenz, bitte um eine Einschätzung von Sebastian und Marina.

Lorenz Hinterberger: Ich war bei Sebis erstem Auftritt vor drei Jahren in Graz zufälligerweise dabei (Anm.: Lorenz Hinterberger gewann an diesem Abend im April 2023 den Grazer Kleinkunstvogel).

Sebastian Haring: Und wir sind draufgekommen, dass wir ein paar Tinder-Dates mit den gleichen Personen gehabt hatten. Das war sofort eine nette Connection.

Lorenz Hinterberger: Seit damals mag ich seinen trockenen, manchmal ein bisschen dunklen Humor. Es zeichnet ihn aus, dass er in seiner ruhigen Art ziemlich arge Sachen raushauen kann. Und vor allem, dass er damit nicht einfach nur schockieren will, sondern wirklich gut durchdachte Pointen abliefert. Und zur Marina kann ich nur sagen: Sie ist – mit Abstand – die witzigste Frau Österreichs! Ihre Storys beschäftigen sich teilweise mit sehr schwierigen Themen und spricht oft Dinge an, die anderen peinlich wären. Aber ihre Texte sind unglaublich präzise geschrieben und auf der Bühne super performt. Und sie bleibt immer authentisch und ehrlich.

Marina, jetzt du …

Lorenz Hinterberger: Sie wird uns jetzt richtig roasten: “Die zwei sind halt Männer! Weiße Männer über 30!” (lacht)

Marina Pesevski: Das würd' ich nie machen! Nein, ernsthaft: An Sebi fasziniert mich diese grundsätzliche Selbstsicherheit, mit der er die verschiedensten Themen auf die Bühne bringt. Sie wirkt nämlich weder aufgesetzt noch überspielt oder aufdringlich, sondern einfach bodenständig. Und wenn er als Host durchs Programm führt, gibt er dir das Gefühl: “Egal, was passiert, ich bringe euch alle gut durch den Abend.” Und für den Lorenz gilt im Prinzip das Gleiche wie für Sebi: Auch er ist inhaltlich so vielfältig. Seine Beobachtungen sind immer funny und was mich persönlich fasziniert: Wenn im Kabarett politisiert wird, bin ich normalerweise raus. Ich will mich unterhalten lassen und brauche keine aufgezwungenen Botschaften. Aber Lorenz schafft es, dass ich sogar über seine politischen Anspielungen lachen kann.

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